Werbung

Typisch deutsch

Gabriele Oertel über die Feierlichkeiten zum Fall der Mauer

  • Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 2 Min.

Der große Feiertag ist vorüber. Und es ist alles gesagt - und zwar wohl tatsächlich von allen. Gorbatschow, Merkel, Kissinger, Biermann, Gauck - selbst der Alt-Kanzler der Einheit hat sich mit seiner früheren Skepsis gegenüber den Bürgerrechtlern noch einmal zu Wort gemeldet. Wohlfeile Reden, Staatsakte, Ausstellungen, Blumen, Kränze, Lichter, nachträgliche Deutungsversuche - wir hatten von allem genug. Das für die Welt erdachte Bild über das ein Vierteljahrhundert vereinte Deutschland ist bunt - und trotzdem ziemlich deutsch: triumphierend, auftrumpfend, freudenheulend, wie es sich - Jubiläum hin oder her - eigentlich an einem jeden 9. November in diesem Land nicht gehört. Und selbst unter den nur dieses einen Tages vor 25 Jahren gedenkenden Menschen gibt es nicht nur die feiernden. Aber schon jene, die nachdenklich sind, weil das größer gewordene Deutschland sich nicht nur zum Besseren entwickelt, werden als störend empfunden. Und die dritten, deren Tränen nicht durch Rührung hervorgerufen werden, gelten geradezu als lästig. Dabei will keiner von denen die Mauer wieder.

Dass aber eine nicht kleine Anzahl ehemaliger DDR- und BRD-Bürger wie auch manche ihrer gesamtdeutschen Nachkommen partout nicht den von Jahr zu Jahr verächtlicher werdenden Blick nach hinten lernen wollen und beim Blick nach vorn mancherlei Bauchschmerzen haben, wurde beim politischen Wiederbelebungsversuch einer längst vergangenen Euphorie ausgeblendet. Und also viel getan, um das zu konservieren.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal