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Die unterschätzte Ressource

Neuer Atlas thematisiert Probleme der falschen Nutzung und der Zerstörung von Böden weltweit

Überdüngt, übersäuert, überbaut - weltweit stehen viele Bodenflächen kurz vor dem Kollaps. Der nun erstmals aufgelegte Bodenatlas fasst die Fakten in Texten und Grafiken zusammen.

Laut einem Vorschlag der UNO soll 2015 das »Internationale Jahr der Böden« sein. Bisher blieb das Thema politisch eher unterbelichtet, obwohl sich in der Frage des Flächenverbrauchs national wie international viele ökonomische, soziale und ökologische Probleme bündeln. Einen Bodenatlas mit Daten und Fakten zum Thema stellten am Donnerstag in Berlin die grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung, das Potsdamer Klimaforschungsinstitut IASS, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Monatszeitung »Le Monde diplomatique« vor.

In Deutschland gehen demnach durch Städte- und Straßenneubau täglich über 70 Hektar Boden verloren. Ziel der Bundesregierung ist es seit mehreren Jahren, diesen Wert auf 30 Hektar zu senken. Getan wird dafür aber kaum etwas, eher im Gegenteil, so die Bilanz des BUND. Zwischen Schwerin und Magdeburg soll demnächst die Autobahn A14 quer durch eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands gebaut werden. Weil mit einem Neubau mehr zu verdienen ist, wird dabei wohl die bisherige Bundesstraße nicht einbezogen - maximaler Flächenverbrauch sei zu befürchten, so BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. »Und gleichzeitig gibt es nicht genug Geld, um vorhandene Straßen und Brücken zu reparieren.«

Die in diesem Jahr erstmals erschienene Gemeinschaftsarbeit Bodenatlas stellt Daten und Fakten über Acker, Land und Erde zusammen. Der Bodenverbrauch durch ausufernde Städte und Verkehrswege ist dabei nur ein Aspekt, der einer kritischen Bewertung unterzogen wird. Sorgen bereite auch die Landwirtschaft, so die Forscher und Umweltschützer. Verwertungsinteressen und falsche politische Anreize - etwa durch Subventionen für den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung - führen weltweit zu steigenden Bodenpreisen. Zwischen 2002 und 2012 stiegen sie in Deutschland um 8, in Brasilien um 25 und in Rumänien um 38 Prozent pro Jahr. Entsprechend ändern sich die Eigentumsstrukturen in der Landwirtschaft: Großbetriebe mit über 100 Hektar Agrarfläche bewirtschaften in den neuen Bundesländern über 85 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Böden.

Die Europäische Union vergebe auch Subventionsgelder für Monokulturen, denn Geld fließe selbst dann noch, wenn bis zu 70 Prozent der jeweiligen Fläche allein mit Mais bebaut würden, klagt Weiger. Leider fehle den Umweltschützern in der Debatte um den Bodenschutz die Unterstützung der kommunalen Spitzenverbände. Bereits vorhandene Probleme mit der Erosion durch Wind und Wasser würden viel zu selten thematisiert. Auch international stünden die EU-Staaten in Bodenfragen in der Schuld: Jeder EU-Bürger verbraucht durch seinen Konsum jährlich 1,3 Hektar Land - insgesamt anderthalbmal soviel wie die Gesamtfläche der 28 Mitgliedsstaaten.

Sowohl Weiger als auch der IASS-Exekutivdirektor Klaus Töpfer machten deutlich, dass es ohne gesamteuropäisches Handeln keine Chance auf eine internationale Bodenschutzpolitik gebe. Der ehemalige CDU-Bundesumweltminister Töpfer musste hier allerdings ein unrühmliches Blatt lobbygesteuerter Bundespolitik hinzufügen: Auf Druck der deutschen Landwirtschaftsverbände habe Brüssel eine acht Jahre lang diskutierte Bodenschutzrichtlinie letztendlich vor der Verabschiedung zurückgezogen - kurz vor Antritt der jetzigen EU-Kommission. Ausschlaggebend war das Votum einer qualifizierten Minderheit, der auch Deutschland angehörte. Das IASS bereitet aktuell 17 wichtige Forderungen zum Thema Bodenschutz vor - sie sollen in den Katalog der künftigen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen aufgenommen werden.

Bestellt werden kann der 50-seitige Atlas kostenlos - und auch in Klassensätzen - bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Unter www.boell.de/bodenatlas steht er außerdem zum Download bereit.

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