Pro Hausfrau

Personalie: Birgit Kelle schreibt gegen einen angeblichen »Genderwahn« an.

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 2 Min.

Personengebundener Protest vor Sachsens Landtag ist selten. Birgit Kelle wurde die fragwürdige Ehre zuteil. Die Publizistin solle »den Mund halten«, hieß es am Montag auf einem Schild. Kelle nutzte derweil eine Anhörung des Sozialausschusses, zu der sie als Sachverständige geladen war, um für Gleichstellung zu werben - nicht die von Lesben, von Schwulen und Transsexuellen, um die es in einem von der LINKEN geforderten Aktionsplan eigentlich geht, sondern um die von Hausfrauen. Für sie einen Aktionsplan zu erstellen, fühle sich »keiner bemüßigt«, klagte Kelle. Dabei würden »traditionelle Familien« wie auch das Dasein als Hausfrau in der Bundesrepublik inzwischen »beinahe als mittelalterlich diskriminiert«.

Es sind nicht nur Hausfrauen, für die sich Kelle in die Bresche wirft; es sind Verfechter und Vertreter konservativer Rollen- und Geschlechterbilder. Bekannt wurde die 1975 in Siebenbürgen geborene Publizistin und Mutter von vier Kindern mit einer Polemik gegen den »Aufschrei« junger Frauen, die sich im Gefolge der Affäre um den FDP-Politiker Rainer Brüderle gegen sexuelle Belästigung wehrten. Kelles Invektive trug den vielsagenden Titel »Dann mach doch die Bluse zu«. Derzeit geht sie gegen den angeblichen »Gender-Gaga« vor - nicht nur mit einem gleichnamigen Buch, sondern auch gemeinsam mit der ultrakonservativen AfD-Frau Beatrix von Storch bei den Stuttgarter Demos gegen den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg und die damit von grün-alternativen Kreisen vermeintlich betriebene »Umerziehung« der Gesellschaft.

Zur Anhörung in Sachsen hatte die AfD indes Kelles Gesinnungsgenossin Bettina Röhl geladen; sie selbst erschien auf Vorschlag der CDU. Diese hatte sich im Koalitionsvertrag mit der SPD im Herbst 2014 noch zu einem Aktionsplan für »Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen« bekannt. Dass sie nun ausgerechnet Kelle und damit eine »ausgewiesene Genderwahn-Expertin« einlade, stößt bei der SPD auf Verärgerung. Oliver Strotzer, Chef der AG Lesben und Schwule, meldete »Zweifel an der Ernsthaftigkeit« des größeren Koalitionspartners an.

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