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Das Unternehmen Twitter macht mit seinem kostenlosen Dienst hohe Umsätze - und hohe Verluste

Zehn Jahre nach dem Start hat Twitter weiter ein Problem damit, genug Geld aus den Daten seiner vielen Nutzer zu machen.

Es war eine klassische Internet-Start-up-Erfolgsgeschichte: Die kleine Firma Odeo stand mit ihrer Podcast-Plattform kurz vor dem Aus, als es die jungen Computernerds mit einem Nebenprojekt probierten: einem Dienst für kurze Mitteilungen namens Twitter. Zunächst stand ein Finanzinkubator namens Obvious Corp. mit Rat, Tat und Geld zur Seite. Der eigentliche Durchbruch gelang im März 2007 beim Medienfestival South by Southwest in Austin (Texas), wo Twitter den Preis in der Kategorie »Blog« ergatterte. Die versammelte, gut vernetzte Tech- und Medienelite griff selbst zu dem noch unbekannten Dienst - an jenem Wochenende verdreifachte sich die Zahl täglicher Mitteilungen auf 60 000.

Twitter wurde dann schnell zum führenden Microblogging-Dienst der Internetgemeinde. Um das exponentielle Wachstum finanzieren zu können und Investoren ins Boot zu holen, gründeten die Entwickler Jack Dorsey und Biz Stone das Unternehmen Twitter Inc. mit Sitz in San Francisco unweit des Silicon Valley. Schon 2008 nutzten drei Millionen Menschen den kostenlosen Dienst, Investoren hatten 20 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt. 2011 waren schon 200 Millionen Nutzer registriert, der Unternehmenswert wurde auf fast acht Milliarden Dollar taxiert - und das bei einem fast ausschließlich mit Werbung erzielten Jahresumsatz von nur rund 100 Millionen Dollar. Zu den Anteilseignern gehörten unter anderem Facebook, die russische Investmentfirma Mail.ru und ein saudischer Milliardär.

Vor allem der Smartphone- und Tabletboom hielt das Unternehmen zunächst auf Wachstumskurs. Als geeigneten Finanzierungsweg sahen die Firmenchefs den Börsengang an: Im November 2013 wurde die Aktie erstmals an der New Yorker Börse gelistet. Der Kurs ging zunächst in die Höhe, verdoppelte sich binnen weniger Wochen auf über 50 Dollar. Seither ging es im Zickzack bergab - derzeit liegt die Aktie bei 15 Dollar.

Die Investoren blicken nämlich inzwischen mehr auf die harten Bilanzzahlen - die Phase rasanten Wachstums scheint vorbei. Die Zahl der registrierten Nutzer war kürzlich zum ersten Mal leicht rückläufig - aktuell sind es 320 Millionen weltweit. Zwar steigen die Umsatzerlöse (2015: 2,2 Milliarden Dollar), zuletzt vor allem bei Videoanzeigen, doch Twitter machte erneut hohe Verluste von rund 500 Millionen Dollar. Es gab erstmals Stellenabbau unter den knapp 4000 Mitarbeitern, einige Führungskräfte wanderten freiwillig ab.

Zwei Wege sollen aus dem Tal führen: Zum einen möchte man die Daten vorhandener Nutzer besser monetarisieren. Versuche etwa mit Kauf-Buttons verliefen aber bisher wenig vielversprechend. Zum anderen möchte man, um von Konkurrent Facebook nicht ganz abgehängt zu werden, zurück zum Wachstumskurs bei den Nutzerzahlen: Da Neue von der Unübersichtlichkeit der unzähligen chronologisch geordneten Botschaften abgeschreckt werden, kann nun ein Algorithmus die relevanten Nachrichten höher einsortieren. Die Twitter-Gemeinde befürchtet aber, dass damit der Werbebranche Tür und Tor geöffnet wird.

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