Ungehorsam

Personalie: Unpolitisches Theater ist ihm ein Gräuel: Matthias Brenner

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 2 Min.

Manchmal gibt es Zufälle, die sind so zufällig, dass es schwer fällt, sie überhaupt noch als Zufälle zu bezeichnen. Am 13. März wurde die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als zweitstärkste Kraft ins Parlament gewählt. Drei Tage später verschickte René Schmidt, der Geschäftsführer der Historischen Kulturanlagen Bad Lauchstädt, eine E-Mail an künstlerische Kooperationspartner. Darin kündigte er an, er werde bei Gastspielen ab sofort »keinerlei politische Kundgebung oder Manifestationen, weder für noch gegen die aktuelle Politik, politische Gruppierungen oder Parteien, dulden«.

Am Neuen Theater Halle, das regelmäßig in Bad Lauchstädt zu Gast ist und sich auf und abseits der Bühne gegen die Rechtsaußen-Partei positioniert, kann man es kaum fassen - und denkt gar nicht daran, sich dem Diktum zu beugen. »Wir werden nicht neutral bleiben«, erklärte Schauspielintendant Matthias Brenner anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des Halleschen Spielzeitprogramms 2016/17.

Kultureinrichtungen müssten gerade jetzt politisch intervenieren: »Wenn der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider jüngst auf einer Pegida-Demonstration in Dresden den rechtskräftig wegen Volksverhetzung verurteilten Lutz Bachmann zum Bundesverdienstkreuz vorschlägt, dann ist das eine klare Absage an die Demokratie.« Für Brenner kann es keine neutrale Kunst geben. Sie dürfe erst recht nicht eingefordert werden in einem Bundesland, in dem die AfD laut Parteiprogramm die Theater zwingen will, »deutsche Stücke« so zu inszenieren, »dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen«. Schmidt äußerte sich bis Freitagnachmittag nicht mehr.

Der 58-jährige Brenner jedoch, der als Schauspieler durch Filme wie »Das Leben der Anderen« oder als Gerichtsmediziner Dr. Katzmann im Bremer »Tatort« bekannt wurde, wäre notfalls auch bereit, nicht mehr in Bad Lauchstädt zu gastieren. Politisches Theater begreift er »als Chance, Visionen des Miteinanders in einer globalisierten Welt zu entwerfen - in tragischen wie komischen Zusammenhängen«.

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