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Ostsee-Fischer blicken mit Sorge auf 2017

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister warnt vor dem »Zusammenbruch fischereilicher Strukturen«

  • Von Martina Rathke, Sassnitz
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern ziehen für 2016 eine durchwachsene Bilanz. Ihr Landesverband geht davon aus, dass in den Hauptfischarten Hering und Dorsch die Quoten vollständig abgefischt werden konnten. »Hinter uns liegt ein durchschnittliches Fangjahr mit durchschnittlichen Erlösen«, sagte der Verbandsvorsitzende Günter Grothe. Beim Hering stiegen die Anlandemengen der Fischer wegen eines Quotenplus um acht Prozent. Beim Dorsch habe man aufgrund der guten Fangsituation im Oktober und November sogar noch Quoten hinzukaufen müssen.

Nach vorläufigen Angaben des Agrarministeriums in Schwerin verzeichnen die Fischer für die beiden Hauptfischarten ein leichtes Einnahmeplus gegenüber 2015. So wurden bis Ende November 2016 für Dorsch und Hering rund 5,5 Millionen Euro Einnahmen erzielt, rund 100 000 Euro mehr als im gesamten Vorjahr.

Sorge bereitet den Fischern die 56-prozentige Absenkung der Dorschquote in der westlichen Ostsee im kommenden Jahr. »Wir können die Entscheidung nicht nachvollziehen«, sagte Grothe. »Die Situation ist dramatisch.« Die Fänge im Oktober und November hätten gezeigt, dass es dem Bestand nicht so schlecht gehe. Den Fischern in Mecklenburg-Vorpommern stehe für 2017 nur eine Fangmenge von 361 Tonnen zur Verfügung.

Dies wird nach Einschätzung des Agrarministeriums zu Erlösausfällen von einer halben Million Euro führen. Wegen anhaltend sinkender Quoten für den Dorsch der westlichen Ostsee sind die Erlöse seit 2012 um etwa 1,2 Millionen Euro gesunken. Die Möglichkeiten, die der Europäische Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bei einer zeitweiligen Einstellung der Fischerei bietet, müssten jetzt schnellstmöglich genutzt werden, hieß es aus dem Agrarministerium in Schwerin.

Fischereiverbandschef Grothe beklagte, dass die Beantragung der Hilfen mit einen enormen bürokratischen Aufwand verbunden sei und ein Teil der Fischer aus dem Förderungsraster falle, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten könnten.

Überalterung, mangelnde Attraktivität des Berufs bei jungen Leuten, unsicherer Verdienst: Die Zahl der Kutter- und Küstenfischer geht in Mecklenburg-Vorpommern weiter zurück. 19 Haupterwerbsfischer zogen in diesem Jahr für immer die Netze ein und gaben ihr Handwerk auf. Auch bei den Nebenerwerbsfischern ist die Zahl weiter rückläufig. 2016 waren landesweit 364 Fischer tätig, davon 236 im Haupt-, 128 im Nebenerwerb. Zum Vergleich: 2006 wurden landesweit 564 Fischer gezählt.

Die Zukunft der Fischer bleibt nach Einschätzung des Ministeriums angesichts weiterer erwarteter Quotenkürzungen beim Dorsch unsicher. Dies könnte zu weiteren Betriebsaufgaben von bis zu 80 Betrieben führen. »Wenn der Küstenfischerei nicht umgehend unter die Arme gegriffen wird, droht Mecklenburg-Vorpommern nicht nur der Konkurs einer Vielzahl von Ostseebetrieben, sondern der Zusammenbruch fischereilicher Strukturen«, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Auch Grothe geht davon aus, dass in den kommenden Jahren rund 30 Prozent der Fischer aus Altersgründen oder wegen der mangelnden Attraktivität des Berufes aufgeben werden.

Nach Einschätzung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) werden in der Ostsee aktuell 60 Prozent der Fischbestände nachhaltig befischt. Dazu gehört auch der für Mecklenburg-Vorpommern so wichtige Heringsbestand der westlichen Ostsee. Bis 2020 sollen entsprechend den Grundsätzen der Gemeinsamen Fischereipolitik alle Fischbestände der Ostsee nachhaltig bewirtschaftet werden. Dazu würde dann auch der für die MV-Fischer wichtige Dorschbestand der westlichen Ostsee gehören. Sofern die Herings- und Dorschbestände der westlichen Ostsee nachhaltig befischt werden, dürfte die Kutter- und Küstenfischerei des Landes eine gute wirtschaftliche Grundlage haben, hieß es aus dem Ministerium. dpa/nd

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