Werbung

An der Testosteronfront

Jessy Wellmer ist die neue Moderatorin der ARD-»Sportschau«

Fußball der Männer - zumindest der, der in den Profiligen betrieben wird, ist ein Relikt. Es gibt in dieser Welt keine Schwulen und Frauen allenfalls als sogenannte Spielerfrauen. Offiziell ist das jedenfalls so. Und auch die Spieler verhalten sich dementsprechend. Ist ja auch kein Wunder, schließlich werden in einem Spiel reichlich Testosteron und Adrenalin ausgeschüttet; es geht im Fußball um schwitzende Männlichkeit, die so viel Homoerotik ausstrahlt, dass jeder Heteromann unter den Spielern sich zum Affen machen muss, um nicht als schwul zu gelten. Das gilt natürlich nur für die 90 Minuten, die in der Regel ein Spiel dauert, danach hat sich der Testosteron- und Adrenalinspiegel der meisten Spieler wieder normalisiert.

Frauen, die sich aufs Spielfeld wagen, müssen da viel einstecken. Kürzlich erst hat Franck Ribery, der beim FC Bayern in Diensten steht, der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beim Zurechtlegen des Balles für einen Freistoß keck den Schnürsenkel aufgezogen. Steinhaus, die ab dieser Saison als erste Frau in der ersten Bundesliga pfeift, reagierte souverän. Sie verpasste dem Chauvi einen Knuff und ließ ihn den Freistoß ausführen.

Mit Respektlosigkeiten à la Ribery musste sich Jessy Wellmer am Samstag nicht auseinandersetzen, als sie zum ersten Mal das frühere Hochamt der Bundesligaberichterstattung, die »Sportschau« in der ARD, moderierte. Wellmer ist nach Monika Lierhaus erst die zweite Frau, die in diese Männerdomäne vordringen konnte. Allerdings hat sie bereits reichlich Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. Von 2009 bis 2014 moderierte die 37-Jährige gebürtige Güstrowerin die Sportberichterstattung des ZDF-Morgenmagazins, seit 2013 ist sie beim rbb auf radioeins in der Sendung »Arena Liga Live« zu hören.

Eingefleischten »Sportschau«-Guckern dürfte Wellmer keine Unbekannte sein, denn seit knapp zwei Jahren moderiert sie den »kleinen Bruder« der Samstags-»Sportschau«, die »Sportschau am Sonntag«.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung