Scham reicht nicht aus

Haidy Damm über unzureichende Klimadiplomatie

  • Haidy Damm
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Erwartungen sind hoch an die von der Bundesregierung als »echte Arbeitskonferenz« angekündigte Internationale Klimakonferenz in Bonn. Dabei sind die politischen Vorgaben durch das Pariser Klimaabkommen gesetzt - jetzt geht es an die Umsetzung der 2015 vereinbarten Ziele zur Reduzierung der Erderwärmung. Konkret heißt das: Welche der von den Staaten getroffenen Maßnahmen wird wie berechnet? Denn schließlich muss die Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleiben.

Damit die Staaten ihre freiwilligen Maßnahmen tatsächlich umsetzen, setzt die Klimadiplomatie auf Scham. Eben jenes Gefühl, das Menschen die Röte ins Gesicht treibt, auf dass auch jeder mitbekommt, wenn sich jemand ertappt fühlt. Denn genau das macht das Wesen der Scham aus: Sie braucht das Publikum. Wir schämen uns nicht nur vor uns selbst, sondern vor anderen.

Sollten also am Ende der Klimakonferenz überprüfbare Kriterien verabschiedet worden sein, können die Staaten zukünftig international vorgeführt werden. Im Fall des Klimawandels etwa könnten sich Staatsoberhäupter und Wirtschaftsvertreter schämen vor denjenigen, die zwar wenig zur Erderwärmung beitragen, aber dennoch am meisten unter dem steigenden Meeresspiegel leiden - wie die Menschen im Südpazifik. Doch solange gerade die Hauptverursacher sich bei aller Heuchelei noch selbst im Spiegel anschauen können, hilft alles Vorführen nicht. Denn die Scham wird von der Ignoranz ganz locker in die Schranken gewiesen.

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