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Gähnende Stute

Peter Wohlleben über das Seelenleben der Tiere

  • Philipp Martin
  • Lesedauer: 3 Min.

Hähne, die ihre Hennen belügen? Hirschkühe, die trauern? Pferde, die sich schämen? Gibt es das denn wirklich? Ja, meint Peter Wohlleben und liefert als Beweis Beobachtungen, die er schon in seiner Kindheit im Haus und auf dem Hof der Eltern machte und die der gestandene Förster und nunmehrige Bestsellerautor über die Jahre bei Spaziergängen durch sein Revier, aber auch andere Wälder und Parkanlagen machte.

• Peter Wohlleben: Das Seelenleben der Tiere. Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt.
Ludwig Verlag, 240 S., geb., 19,99 €.

Da kümmert sich eine Eichhörnchenmutter um ihren Nachwuchs so liebevoll und zart wie eine Menschenmutter. Wie niedlich sind doch diese wuschligen Geschöpfe mit den schwarzen Knopfaugen und buschigem Schwanz, zu deren Lieblingsspeisen nicht nur Nüsse, sondern auch Singvögel gehören. Sind sie deshalb eher böse als gut? «Weder noch», schreibt Wohlleben. «Eine Laune der Natur hat dazu geführt, dass sie unseren Beschützerinstinkt ansprechen und positive Emotionen auslösen. Das hat mit gut oder nützlich nichts zu tun … Eichhörnchen interessiert unsere Kategorisierung überhaupt nicht. Also doch - eine Gleichsetzung tierischer mit menschlichen Verhaltensweisen verbietet sich. Wohlleben meint: »Oft höre ich, dass die Vergleiche tierischer Gefühle mit denen der Menschen nicht zielführend sind, schließlich handelten und fühlten Tiere stets instinktiv, wir hingegen bewusst. Instinkte gibt es auch bei Menschen.«

Es geht dann mit höher- und uns Menschen näherstehenden Arten weiter. Mit Hündinnen, die Frischlinge oder Ferkel adoptieren, sie säugen und deren erste Schritte überwachen. Und den treuen zotteligen Gesellen, die das Haus bewachen, mit uns spielen oder einsamen Herrchen oder Frauchen wieder Freude am Leben schenken. Was zur Frage führt: Können Tiere lieben? »Für Haustiere lässt sich die Frage eindeutig mit Ja beantworten; es gibt unzählige Beispiele streunender Katzen und Hunde, die sich fürsorglichen Zweibeinern geradezu aufdrängen.« Selbst Delfine schließen Freundschaft mit Menschen. Wohlleben verweist auf Fungie, der seit 30 Jahren in der Bucht von Dingle an Irlands Küste quietschvergnügt herumschwimmt und allerlei Späße macht.

Können Tiere dankbar sein? Ja, auch das. Und lügen? Wohlleben berichtet von seinem Hahn Fridolin, merkt aber auch an, dass er Strategien im Tierreich nicht als Lüge bezeichnen würde. Scham und Reue hat der Autor bei seiner Stute Bridgi studiert: »Ich lernte, wie sensibel Pferde sind.« Beim kleinsten Tadel dreht das Pferd verschämt den Kopf zur Seite oder gähnt verlegen. Mitgefühl, Angst, Schmerz - all diese Gefühle und Empfindungen sind auch Tieren nicht fremd.

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