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Im Mini-Rock in die Uni – Jetzt erst recht

Student*innen gehen gegen die Outfit-Guidelines der Päpstlichen Universität Kolumbiens auf die Barrikaden

  • Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie kurz darf er sein? Diese Frage hat sich jede Frau schon einmal gestellt. Der Rock gilt mal als schick, mal als »nuttig«. Das hat nicht immer nur mit der Länge des Kleidungsstücks zu tun, sondern auch mit dem Anlass, zu welchem eine Frau die Klamotte auswählt. Wenn eine Frau sexuell belästigt wird, hört man in Deutschland wie in Lateinamerika manchmal den Satz: »Na, die hat es ja aber auch drauf angelegt. So wie die herum gelaufen ist.« Damit werden die Opfer verhöhnt und die Straftaten verharmlost.

Die Päpstliche Universität Bolivariana in Kolumbien hielt es dennoch für eine gute Idee, Anfang der Woche eine Richtlinie zu verabschieden, wie sich die Student*innen in den Seminaren kleiden sollten. Nachdem eine Studentin, die einen Rock getragen hatte, von einem Kommilitonen angegriffen wurde, verbreitete die Uni-Leitung ein Info-Blatt mit allgemeinen Kleider-Bestimmungen. Auf den ersten Blick wirken sie harmlos und zum Teil gelten sie für alle Geschlechter. Beispielsweise gibt es die Empfehlung »sich dem Klima angemessen« zu kleiden und »enge Kleidung zu vermeiden«. Auch gibt es den Hinweis an die Student*innen, sie sollten sich nicht so anziehen, als »seien sie auf dem Weg zu einer Party.«

Genauer geht die Leitung der Universität jedoch darauf ein, wie sich Frauen kleiden sollten – und wird hier ungewöhnlich hart vorschreibend. Wörtlich heißt es: »Trage keine hohen Schuhe, sofern Du kein Referat halten musst oder ein wichtiges Interview hast« und weiter: »Trage keine Mini-Röcke.« Es folgt ein letzter Hinweis an alle Geschlechter, auch auf »sehr kurze Hosen« zu verzichten.

In Medellín, wo der Hauptsitz der Universität liegt, kann es dieser Tage bis zu 28 Grad warm werden. Doch dies ist wohl nicht der Grund, warum seit Donnerstagmorgen besonders viele Student*innen in Röcken, Kleidern und kurzen Hosen zum Seminar kommen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichen sie Fotos von ihren Outfits und lassen ihrem Protest gegen die Universitätsleitung freien Lauf. Dafür verwenden sie den Hashtag #UPBenFalda. UPB ist die offizielle Abkürzung der Universität, »enFalda« heißt zu Deutsch: »imRock«.

Die Klamotte-Guidelines hängen seit einigen Tagen an den Wänden der Campus-Gebäude in Medellín aus. Zudem gibt es noch ein weiteres, brisantes Plakat. In großen Lettern schreibt die Universitätsleitung darauf: »Es macht nicht die ganze Welt… Nicht alles ist normal...Nicht alles wird zur Mode...Es gibt Geschichten, die Dich krank machen können.« Daneben stehen Wörter wie: Homosexualität, Lesbianismus, Alkoholismus, Schwarze Magie, Satanismus und Drogenkonsum.

Vor allem die ersten zwei Wörter sorgen für Aufregung in der Studentenschaft. Zahlreiche Männer erschienen daher in weiblicher Garderobe und veröffentlichten Fotos mit Protestnachrichten.

Dass es sich bei den Klamotte-Guidelines der Universität nicht um harmlose Empfehlungen handelt, wird nicht nur durch das Plakat zur vermeintlichen »Krankheit« von Homosexuellen deutlich, sondern auch durch das Video der Studentin, die wegen ihres Outfits angegriffen wurde. Doch der Universitätsleitung fiel offenbar nichts besseres ein, als mit Kleiderregeln auf solche Übergriffe zu reagieren.

Daher überrascht es kaum, dass der Hashtag #UPBenFalda mittlerweile international genutzt wird: Zahlreiche Twitter-Nutzer solidarisieren sich mit den Student*innen der Päpstlichen Universität. Gleichzeitig diskutieren sie über den grassierenden Machismus in Lateinamerika und auf der ganzen Welt. Mit der renommierten Hochschule wird man künftig, wenigstens in Lateinamerika, den Kampf gegen patriarchale Strukturen verbinden. Ihren guten Ruf kann sie nur durch eine offizielle Entschuldigung und ein dickes Dankeschön an ihre demonstrierende Studentenschaft zurückgewinnen.

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