Schau im Haus der Wannsee-Konferenz

Historische Ausstellung widmet sich Bibliotheken in der Zeit des Nationalsozialismus

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

Anlässlich der Bücherverbrennungen vor 85 Jahren zeigt die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz in ihren Räumen seit Dienstag eine Ausstellung zu Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus. Die Schau, die von der Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand e.V. und der Berliner Zentral- und Landesbibliothek konzipiert wurde, nimmt exemplarisch sieben verschiedene Bibliotheken in den Blick.

Im Zentrum steht die Frage, welche konkreten Auswirkungen die NS-Kulturpolitik auf die Sammlungen der Bibliotheken und das in den Einrichtungen beschäftigte Personal hatte. »Ein Großteil der Bibliotheken zeigte bereits 1933 eine große Anpassung- und Kooperationsbereitschaft gegenüber den neuen Machthabern«, erläuterte der Historiker Werner Treß in einem Vortrag zur Ausstellungseröffnung. So seien es Bibliothekare gewesen, die entscheidend an der Erstellung sogenannter »Schwarzer Listen« mitgewirkt hätten. »Diese Listen bildeten die Grundlage für die Indizierung von vom NS-Regime unerwünschter Literatur und damit auch für die Bücherverbrennungsaktionen«, sagte der Historiker.

Im Frühjahr 1933 kam es im Deutschen Reich in mehr als 90 Städten zu über 100 Bücherverbrennungen. Sie standen zumeist im Zusammenhang mit der »Aktion wider den undeutschen Geist« der »Deutschen Studentenschaft«. Die Aktionen gipfelten in der zentralen Bücherverbrennung auf dem Opernplatz (heute Bebelplatz) vor der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität am 10. Mai 1933. Etwa 2000 Werke von Autoren wie Bertolt Brecht, Martin Andersen-Nexø und Erich Kästner wurden verbrannt. Die Bücher wurden zuvor mit Lastwagen aus den Berliner Bibliotheken geholt. Die Bibliotheken hatten insgesamt fünfzehn Indizierungslisten erstellt und die entsprechenden Bücher aus ihren Regalen genommen. Ausgesondert wurden »undeutsche« Werke von Autoren mit »jüdischem, marxistischen und pazifistischem« Hintergrund, wie Historiker Treß erklärte.

Das Begleitprogramm zur Ausstellung im Haus der Wannsee-Konferenz sieht eine Lesung »verbrannter Bücher« im Juni sowie einen Studientag für Bibliotheksmitarbeiter im September vor. Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober im Haus der Wannsee-Konferenz zu sehen. Danach wird die Schau in Bibliothekseinrichtungen in Berlin gezeigt werden.

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