Häfen dicht

Tagelang wiesen Italien und Malta ein Rettungsschiff mit Hunderten Flüchtlingen ab. Nun nimmt Spanien sie auf

  • Lesedauer: 2 Min.

Rom. Im Tauziehen um die Aufnahme von 629 Flüchtlingen von einem Schiff im Mittelmeer hat sich Spanien am Montagnachmittag bereit erklärt, die Menschen ins Land zu lassen. »Es ist unsere Pflicht, dabei zu helfen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern«, begründete Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez die Entscheidung. Den Flüchtlingen auf dem Schiff »Aquarius« solle ein »sicherer Hafen« angeboten werden, teilte die Regierung mit. Regierungschef Sánchez habe den Hafen der Stadt Valencia im Osten des Landes für die Aufnahme der Menschen bestimmt. Die Fahrt nach Valencia kann laut der Organisation SOS Mediterranée, die das Schiff betreibt, zwei bis drei Tage dauern. Eine entsprechende Anweisung durch die Seenot-Rettungsleitstelle in Rom, die den Einsatz koordiniert, stehe aber noch aus.

Italien und Malta stritten seit Samstag über die Aufnahme der Flüchtlinge an Bord des Schiffes, beide Länder sahen jeweils die andere Seite in der Verantwortung. Die »Aquarius« harrte seitdem auf dem Wasser aus. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte Rom und La Valletta am Montag aus humanitären Gründen dringend zur Aufnahme der Geflüchteten aufgefordert. Ihnen gingen die Vorräte aus. Das Hilfswerk sprach von einem »dringenden humanitären Gebot«.

Der italienische Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega hatte am Sonntagabend angekündigt, keine Flüchtlingsschiffe mehr in die Häfen seines Landes zu lassen. Amnesty International erklärte, Italien und Malta hätten ihre Verpflichtungen nach internationalem Recht missachtet. Je länger ein Schiff darauf warten müsse, anlegen zu können, desto weniger Schiffe könnten weitere Flüchtlinge retten. Die Organisationen, die Rettungsschiffe betreiben, äußerten zum Teil Verständnis für die Forderung Italiens. »Wegen der Dublin-Regelungen sind die anderen EU-Staaten mitverantwortlich«, sagte Ruben Neugebauer von Sea-Watch. »Wenn aber Salvini an der Lage etwas ändern möchte, sollte er sich Lösungen überlegen und das Problem nicht einfach auf die abwälzen, die am wenigsten dafür können.« nd/Agenturen

App »nd.Digital«

In der neuen App »nd.Digital« lesen Sie alle Ausgaben des »nd« ganz bequem online und offline. Die App ist frei von Werbung und ohne Tracking. Sie ist verfügbar für iOS (zum Download im Apple-Store), Android (zum Download im Google Play Store) und als Web-Version im Browser (zur Web-Version). Weitere Hinweise und FAQs auf dasnd.de/digital.

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal