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Leider kein Fake

Hamburger Jungpolitiker Tom Radtke will sich von »Klima-Holocaust« nicht distanzieren

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: 2 Min.

»Du fällst auf einen Fakeaccount mit 3 Tweets herein«, meinte am Dienstag ein Nutzer zu einem empörten Journalisten auf Twitter. Kaum zu glauben, aber der empörende Beitrag, den Tom Radtke im Netz gepostet hat, ist echt.

Radtke, das ist ein 18-jähriger Schüler, der sich seit zwei Jahren gegen den Klimawandel einsetzt. Für die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft am 23. Februar kandidiert er auf Listenplatz 20 der LINKEN. Auf seiner Website fordert er »eine Klimasteuer von 180 € pro Tonne CO2«, um die »Klimaapokalypse aufzuhalten«. Zudem will er »kostenlosen Nahverkehr« und »massive Investitionen in erneuerbare Energien«. Zu einer »Fridays for Future«-Demonstration vom Januar schreibt er: »Wir haben Siemens gezeigt, dass wir ihre Unterstützung von Kohleunternehmen nicht akzeptieren werden.« So weit, so vernünftig.

Nicht öffentlich kommentiert hat Radtke bis Redaktionsschluss jedoch den empörenden Tweet, den er am Dienstag - dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - veröffentlicht hat. Auf Facebook hatte er geschrieben: »Die Nazis gehören auch zu den größten Klimasünder*innen, da ihr Vernichtungskrieg und ihre Panzer riesige Mengen an CO2 produziert haben. Viele Politiker sagen, daß sich das nicht wiederholen darf. Aber was tun sie gegen den Klima-Holocaust, der in diesem Moment Millionen Menschen und Tiere tötet?«

Von diesem Tweet ditanzierte sich die »Fridays for Future«-Bewegung in der Hansestadt, ebenso die LINKE. Deren Landesvorstand wollte noch am Mittwochabend zusammentreten und über ein ordentliches Verfahren bis hin zum Parteiausschluss beraten. Nach eigenen Angaben hatte die LINKE mehrfach das Gespräch mit dem Jungpolitiker gesucht. Eine Distanzierung von seinem Tweet sei dabei nicht zustande gekommen.

Diese Reaktion der LINKEN ist vorbildlich. Denselben Umgang sollten alle, die sich derzeit empören, von der AfD verlangen. Denn dort sind Relativierungen des Holocaust keine Einzelfälle, sondern wirken eher wie der feste Bestandteil ihrer Strategie.

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