Keine Angst!

Sophie Gilmore und die Heilerin der Krokodile

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit Vorliebe zeichne sie Mädchen, die außergewöhnliche Dinge tun, heißt es über Sophie Gilmore. In Neuseeland geboren, hat sie in Edinburgh Kunst studiert und lebt derzeit in Italien, »for a little while«, wie sie sagt, also offenbar bereit, weiter durch die Welt zu ziehen. Neugier auf Neues scheint ihr Lebensmotto zu sein. Damit hat sie auch das kleine Mädchen ausgestattet, das im Mittelpunkt dieses Buches steht.

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Sophie Gilmore: Die kleine Ärztin und das furchtlose wilde Tier.
A. d. Engl. v. Hildegard Gärtner. Jungbrunnen, 40 S., geb., 16 €.

Kann es denn sein, dass ein Kind zur »Ärztin« für Krokodile wird? In dem Alter sagte meine Tochter, sie wolle Affendompteurin werden. Es hat mit Liebe zu Tieren zu tun, die wild sind und einen eigenen Willen haben. Was mir erst jetzt wieder einfällt: Ich habe mir als Kind auch vorgestellt, ich würde kranken Tieren helfen. Ob es anderen auch so ging?

»Die kleine Ärztin« im Buch jedenfalls entfernt Splitter, verbindet Wunden und tröstet gerade diejenigen, die für Menschen eigentlich gefährlich, ja widerwärtig sind. Es sind eben keine niedlichen Hasen, denen ihre Fürsorge gilt, sondern Reptilien mit schuppiger Haut.

Die Achtsamkeit ist enorm. Wir sehen eine Insel der Ruhe, auf der alle gütig werden. Dabei hört sie von den Krokodilen Geschichten »über die furchtlosen wilden Tiere« - auf einem wunderschönen Aquarell hat Sophie Gilmore sie gleichsam in einer Meereswoge vereint: Fische und Tauben mit Löwen und Krokodilen. Rätselhaft: Ein Leopard trägt eine Geige. Ist das ein Traum vom Paradies?

Spannend wird es, als eine riesige Bestie erscheint, vor der sich alle fürchten: »Die Große Gemeine« presst ihr Riesenmaul zusammen, wehrt sich aber gegen jede Untersuchung. Hat das Untier etwa Angst? Weshalb ist es gekommen?

Die Geschichte lebt von den Bildern, die uns in eine ungewöhnliche Situation versetzen. Die werden wir, gerade weil sie so seltsam ist, nicht vergessen. Der letzte Satz mag ängstlichen Kindern ab vier (ebenso wie Erwachsenen) wie ein Mantra klingen: »Ich bin ein furchtloses wildes Tier.«

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