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BER: Betriebsberechtigt, aber fast pleite

Mit der erfolgten Bauabnahme des Hauptterminals nimmt der Flughafen die letzte Hürde vor der Inbetriebnahme

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Sehr lange hat es gedauert, doch nun sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen: Nachdem das Hauptterminal, Herzstück des künftigen Hauptstadtflughafens BER, alle Funktionstests bestanden hatte, fiel am Dienstagnachmittag die entscheidende letzte Hürde vor der Inbetriebnahme.

In einer gemeinsamen Mitteilung informierten der Landkreis Dahme-Spreewald und die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB): »Die untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald bestätigt nach Abschluss der Bauarbeiten die Fertigstellung des Fluggastterminals (Terminal 1) am BER.« Kommt der Flughafen nun trotz der Corona-Beschränkungen ohne schwerwiegende Rückschläge durch die Testphase des Orat-Inbetriebnahmeprogramms, steht der für den 31. Oktober angekündigten Eröffnung wohl nichts mehr im Wege.

Die Erleichterung über den mit achtjähriger Verzögerung endlich vollzogenen Schritt ist auf beiden Seiten groß. War es doch Landrat Stephan Loge (SPD), der mit seinem nur zu berechtigten Veto den 2012 geplanten Eröffnungstermin zum Platzen brachte – Schönefeld liegt im Landkreis Dahme-Spreewald. Nun ließ die Bauordnungsbeigeordnete, Heike Zettwitz, wissen: »Es freut mich sehr, dass die Großbaustelle ›Fluggastterminal‹ nach den jahrelangen Bauarbeiten endlich zu einem Abschluss gebracht wird und die bautechnischen Nachweise für eine betriebssichere Nutzung vorliegen.«

Flughafenchef Engelbert Lütke Dal᠆drup, der das ewige Pannenprojekt ab 2017 Schritt für Schritt zum Erfolgs geführt hat, unterließ jede Äußerung des Triumphs. Die Nutzungsfreigabe des T1 sei einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur verlässlichen Inbetriebnahme des Airports, sagte er. »Die Eröffnung des BER kann in diesen Zeiten ein Signal dafür werden, dass es in der Hauptstadtregion wieder aufwärts geht und die Wirtschaft wieder auf die Füße kommt.«

Die Betreibergesellschaft FBB könne nun in die Vorbereitungen der Betriebsablauftests einsteigen, die parallel zu einigen noch laufenden Restbauarbeiten durchgeführt werden, hieß es weiter. Unterdessen würden für die Mieter im Fluggastterminal noch Innenausbauten für Geschäfte, Restaurants sowie eine Lounge in den nächsten Monaten vorgenommen und die Beseitigung kleinerer baulicher Mängel abgeschlossen, informiert das Bauordnungsdezernat. Zudem seien bis zur Eröffnung im Herbst noch die erforderlichen luftfahrtrechtlichen Genehmigungen bei der Gemeinsamen Oberen Luftfahrbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) einzuholen.

Je wahrscheinlicher die Eröffnung des BER wird, desto ungewisser ist auf absehbare Zeit zugleich eine Widerbelebung des Corona-bedingt weitgehend lahmgelegten Luftverkehrs. Und spielt die Ruhe am Standort Schönefeld dem Schlussspurt am BER auch in die Hände – auch der Flughafengesellschaft brechen mit dem Shutdown die dringend benötigten Einnahmen weg. Um die hohen Kosten durch die Offenhaltung ihrer beiden Bestandsflughäfen zu minimieren, strebt die FBB gegen den Widerstand des Bundes und etlicher Fluggesellschaften die temporäre Schließung von Tegel an.

Nach Medieninformationen stimmte der in Berlin tagende Aufsichtsrat dieser Forderung zu. Ginge Tegel zeitweilig vom Netz, rechnet die FBB mit einer monatlichen Ersparnis von sieben Millionen Euro. Gemessen an ihrem Gesamtbedarf hilft das wenig. Nach Informationen der Redaktion rbb24-Recherche ist die Flughafengesellschaft ein Sanierungsfall.

Das belege eine noch unveröffentlichte, unabhängige Studie von Wirtschaftsprüfern und Bilanzexperten, teilte sie am Dienstag mit. In einer Prognose für die Zeit bis 2023 kommen sie zu dem Schluss, dass die FBB überschuldet sei, es bestehe ein Sanierungsbedarf in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro. Angesichts hoher Kreditlasten und überschaubare Einnahmen drohe ihr die Insolvenz.

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