Gegen Tierleid und Ausbeutung

Aktivisten blockieren Tönnies-Fabrik und protestieren gegen Zustände in der Fleischindustrie

  • Von Sebastian Weiermann, Rheda-Wiedenbrück
  • Lesedauer: 3 Min.

Es war noch dunkel, als etwa 25 Aktivisten des Bündnisses »Gemeinsam gegen die Tierindustrie« es sich an der Hauptzufahrt der Tönnies-Schlachtfabrik in Rheda-Wiedenbrück gemütlich gemacht hatten. Um Viertel nach vier am Sonnabendmorgen saßen sie auf der Zufahrt und hielten Transparente gegen die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur hoch. Der herbeieilende Werkschutz wunderte sich und rief die Polizei. Diese kam schnell, blieb aber entspannt.

Die friedliche Blockade, die sowieso eher symbolischen Charakter hatte, wollte man nicht räumen. Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch bei Tönnies darf dort noch nicht wieder produziert werden. Am kommenden Montag will der zuständige Kreis Gütersloh mit dem Fleischproduzenten darüber beraten ob Teile der Produktion wieder anlaufen können. Das allerdings nur, wenn das Hygienekonzept von Tönnies stimmig ist. Während die Polizei sich am Haupteingang der Schlachtfabrik noch über den Protest wunderte, wurde bekannt, dass Aktivisten Tönnies an anderer Stelle aufs Dach gestiegen waren. Auf einer Werkshalle war ein großes Transparent mit der Aufschrift »Shut Down Tierindustrie!« zu sehen.

Friederike vom Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie« erklärte im Gespräch mit dem nd, dass es viele gute Grunde gäbe, gegen Tönnies zu protestieren. Schlachtfabriken seien eine »Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt«. Die Tierindustrie vereine »viele Formen von Gewalt und Ausbeutung«. Ein Faktor sei der Umgang mit den Beschäftigten, gerade den Werksvertragsarbeitern, diese litten unter niedrigen Löhnen, schlechten Unterkünften und hätten keine gewerkschaftliche Vertretung. Der 1500-fache Corona-Ausbruch bei Tönnies habe ein Schlaglicht auf diese Umstände geworfen. Ein zweiter Punkt sei, was mit den Tieren passiert. »Tiere sind fühlende Lebewesen, die in der Tierindustrie elende Lebensbedingungen haben«, erklärte die Aktivistin. Das sei nicht nötig. Man könne sich heute anders ernähren. Es sei nicht nötig, Tiere zu töten, schon gar nicht in diesen Mengen und unter diesen Bedingungen.

Ein dritter Punkt sei, wie die Tierindustrie den Klimawandel anheize. 15 Prozent der globalen Treibhausemmissionen gingen auf die Tierindustrie zurück. Enorme landwirtschaftliche Flächen würden von dieser Industrie genutzt. Um auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und die Forderung nach der Schließung von Tönnies und anderen Schlachtfabriken zu verdeutlichen, sei es wichtig sich auch mit zivilem Ungehorsam zu engagieren. »Es braucht den gezielten Regelbruch!«, so Friederike vom Bündnis »Gemeinsam gegen die Tierindustrie«.

Am Sonnabendmittag bekam die symbolische Blockade dann viel Zuwachs. Tierrechtsgruppen und eine lokale Initiative gegen die Erweiterung der Schlachtfabrik hatten zu einer Mahnwache am Werksgelände aufgerufen, sodass insgesamt über 150 Menschen gegen die Schlachtfabrik in Rheda-Wiedenbrück demonstrierten. Am Nachmittag gingen die Aktionen ohne Zwischenfälle zu Ende. Nur die vier Dachbesetzer mussten sich einer Personalienfeststellung unterziehen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung