Schnauze halten und zuhören

Marie Frank über den Umgang von Weißen mit der Rassismusdebatte

  • Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Weiße Menschen können sich nicht vorstellen, wie es ist, als nicht-weiße Person durch Berlin zu laufen. Welche Unsicherheiten es mit sich bringt, jeden Moment rassistisch beleidigt oder angegriffen werden zu können. Welche Angst es macht, damit allein gelassen zu werden, weil die Polizei in solchen Momenten nicht dein Freund und Helfer, sondern dein Feind und Täter ist. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema endlich breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Indem Fälle rassistischer Polizeigewalt öffentlich gemacht werden. Indem darüber diskutiert wird, ob die Polizei überhaupt noch reformierbar ist oder nicht abgeschafft gehört. Indem Debatten über die Umbenennung rassistischer Straßennamen geführt werden.

Der automatische Reflex bei Weißen ist scheinbar, bei dem Thema sofort »Ja, aber« oder »Wir haben doch echt wichtigere Probleme« zu sagen - und dann wie ein Kleinkind zu reagieren, wenn man ihre Privilegiertheit thematisiert. Stattdessen wäre geboten, einfach mal die Schnauze zu halten und zuzuhören. Natürlich ist das Problem nicht damit gelöst, eine Straße nach einem Schwarzen Menschen umzubenennen.

Auch wenn dies ein guter Anfang wäre, immerhin sind nur zwei (!) von 450 000 in Deutschland nach irgendjemandem benannten Straßen Afrodeutschen gewidmet, eine davon in Berlin. Es geht hier um die Sichtbarkeit von Schwarzem Leben im öffentlichen Raum, und das ist keine Kleinigkeit. Damit fängt es an. Und es hört erst auf, wenn die herrschende kapitalistische Ordnung, die strukturell auf Rassismus basiert, endlich abgeschafft ist.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Das beste Mittel gegen Fake-News und rechte Propaganda: Journalismus von links!

In einer Zeit, in der soziale Medien und Konzernmedien die Informationslandschaft dominieren, rechte Hassprediger und Fake-News versuchen Parallelrealitäten zu etablieren, wird unabhängiger und kritischer Journalismus immer wichtiger.

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Vielen Dank!

Unterstützen über:
  • PayPal