Akelius lässt die Finger von Altbauten

Die guten Zeiten seien vorüber, teilt der schwedische Wohnungskonzern mit

Überraschend hat der schwedische Wohnungskonzern Akelius angekündigt, künftig keine stark sanierungsbedürftigen Altbauten mehr ankaufen zu wollen. Nach einer Standard-Luxussanierung wurden diese für Mieten bis über 40 Euro pro Quadratmeter wieder auf den Markt geworfen. »Das Unternehmen wird sich auf Neubauten konzentrieren«, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Finanzmarktmitteilung. Weltweit sollen 400 von 1500 Arbeitsplätzen abgebaut werden und der Leerstand durch die Vermietung von bisher zur Sanierung vorgesehenen Wohnungen halbiert werden.

Die Berliner Akelius-Mieter*innenvernetzung führt die Kursänderung des Konzerns, dem in der Hauptstadt rund 14 000 der weltweit etwa 45 000 Wohnungen gehören, unter anderem auf ihre beharrliche Arbeit zurück. »Wenn nicht der UN-Bericht und der transnationale Protest von uns Mieter*innen Akelius zur Änderung des Geschäftsmodells bewegt haben, was dann?«, heißt es auf Anfrage von »nd«. »Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die Änderung des Geschäftsmodells nichts mit Mieterkritik oder der Äußerung der UN-Sonderberichterstatterin zu tun hat«, hält der Akelius-Europachef Jordan Milewicz dagegen. In dem im April erschienenen Bericht wurde der Konzern bezichtigt, gegen das Menschrecht auf Wohnen zu verstoßen. Der Bericht fuße auf »Hörensagen von Dritten«, so Milewicz. »Akelius hat in Berlin rund 30 000 zufriedene Mieter. Öffentliche Kritik kommt nur von wenigen Mietern«, erklärt der Manager.

Der Konzern wolle auch in Berlin weitere Häuser zukaufen, kündigt Milewicz an. Allerdings sei der »Kauf von sehr sanierungsbedürftigen Objekten, um diese hochwertig zu sanieren«, nicht mehr vorgesehen. Akelius sei kein Wohnungsprivatisierer. »Dennoch werden selektiv Wohnungen an Mieter oder private Käufer veräußert«, zunächst 39 Wohnungen in zwei Objekten in Wilmersdorf und Mitte, so der Manager weiter. »Wir haben das Ohr am Markt und haben festgestellt, dass es eine starke Nachfrage von Menschen gibt, die ihre Wohnung lieber kaufen als mieten möchten.«

»Realitätsfern« nennt die Mieter*innenvernetzung die Selbstdarstellung des Konzerns. Es habe weder flächendeckend stark sanierungsbedürftige Häuser gegeben noch gebe es eine starke Nachfrage von Mieter*innen, die ihre Wohnungen selber kaufen wollen. »Wonach es aber wirklich eine sehr große Nachfrage in Berlin gibt, sind bezahlbare Mietwohnungen. Doch diese hat und hatte Akelius nicht im Angebot, aus Prinzip. Und alles deutet darauf hin, dass sich daran nichts ändert«, so die Aktivist*innen

»Aus ökologischer Sicht und im Sinne von uns Mieter*innen ist es trotzdem erstmal zu begrüßen, dass diese sinnlosen und klimaschädlichen Dauermodernisierungen von Akelius nicht weiter stattfinden werden - falls es stimmt, was der Konzern ankündigt«, erklären die Konzernmieter*innen.

Derzeit vergibt Akelius Wohnungen, die unter den Mietendeckel fallen nur mit befristeten Verträgen. Man warte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts dazu ab. »Im Anschluss entscheiden wir, wie wir mit Wohnungen mit befristeten Mietverträgen verfahren«, so Manager Milewicz. Die Mieter*innenvernetzung bezweifelt, »dass es legal ist, Mietvertrags in dieser Form und Dauer von fünf Jahre zu befristen. Wir raten allen Mieter*innen mit Befristung, eine Mietrechtsschutzversicherung abzuschließen und ein Jahr vor Ende der Befristung dagegen zu klagen.«

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