Erschwerte Integration

Merkel sieht Zuwanderer besonders von der Coronakrise betroffen

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 2 Min.

Integrationsgipfel sind mittlerweile etabliert, schon zum 12. Mal hat sich am Montag Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit mehr als 130 Vertretern aus Migrantenverbänden, Religionsgemeinschaften, Politik und Wirtschaft getroffen - wenn auch diesmal wegen der Coronakrise nur als Videokonferenz. Dieser seit 14 Jahren stattfindende Austausch geht einher mit dem Eingeständnis der Konservativen, dass die Gesellschaft auch durch Einwanderung geprägt wird. Immerhin hat mittlerweile rund ein Viertel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund.

Allerdings war Innenminister Horst Seehofer (CSU), der für Migrationsthemen zuständig ist, nicht dabei. Ein Sprecher aus dem Ministerium sagte, es gebe dafür keinen besonderen Grund. Schon beim Gipfel vor zwei Jahren fehlte er; seinerzeit war er nicht damit einverstanden, dass die Journalistin Ferda Ataman an dem Treffen teilnahm. Seehofer missfiel ein an ihn adressierter Beitrag, den Ataman für die Amadeu-Antonio-Stiftung geschrieben hatte. Merkel dagegen nutzte den Gipfel für einen Appell. Durch die Corona-Pandemie sieht sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe gestellt, daher dürfe insbesondere die Integration von Einwanderern nicht vernachlässigt werden, sagte sie. Die Krise treffe zwar alle, aber unterschiedlich hart, gerade Zuwanderern falle es angesichts der aktuellen Einschränkungen zum Schutz gegen das Coronavirus »gewiss nicht so leicht, in unserem Land Fuß zu fassen«. Zumal es Integrationsangebote sowie Zugang zu Bildung und Ausbildung nicht in gewohntem Umfang gebe, und der Wirtschaftseinbruch wirke sich auf Branchen aus, in denen viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte tätig seien. Die Annahme der Kanzlerin deckt sich mit dem Ergebnis einer am Montag veröffentlichten OECD-Studie. Migranten seien durch die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Auswirkungen in vielen Ländern besonders betroffen, auch in Deutschland.

Alleine während der Coronakrise sind laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 100 000 Menschen in die Bundesrepublik gekommen. Für sie sind wichtige Sprach- und Integrationskurse teilweise ausgefallen oder konnten nur eingeschränkt stattfinden. Die Integrationsbeauftragte, Annette Widmann-Mauz (CDU), kündigte daher eine Digitaloffensive an. Dabei gehe es um Online-Integrationskurse, Sprachförderung und gezielte Beratung in sozialen Netzwerken, um vor allem Frauen beim Berufseinstieg zu unterstützen.

Die Kanzlerin betonte, dass für Kinder aus Einwandererfamilien der Präsenzunterricht in Kitas und Schulen wichtig sei, um die deutsche Sprache zu erlernen. Junge Menschen dürften nicht zu Verlierern der Pandemie werden: »Je früher die Einwanderinnen und Einwanderer die deutsche Sprache lernen, Zugang zu Bildung und Ausbildung finden und mit unseren grundlegenden Werten, Rechten und Pflichten vertraut werden, umso größer sind eben auch die Chancen für gelungene Integration.« Kommentar Seite 8

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