Israel normalisiert weitere Beziehungen

USA machen Zugeständnisse an Marokko für Anerkennung Israels

Jerusalem. Israel hat diplomatische Beziehungen mit dem Königreich Bhutan aufgenommen. »Der Kreis der Anerkennung von Israel wird größer«, erklärte der israelische Außenminister Gabi Aschkenasi am Samstag. Die Aufnahme von Beziehungen mit Bhutan sei eine neue Stufe in der Vertiefung von Israels Beziehungen mit Asien. Einer gemeinsamen Erklärung zufolge wollen die beiden Länder in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Landwirtschaft enger zusammenarbeiten. Auch der kulturelle Austausch und der Tourismus sollen vorangetrieben werden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte die Vereinbarung und erklärte, Israel »sei mit anderen Ländern in Kontakt«, die Beziehungen zu dem jüdischen Staat aufnehmen wollten.

Die Bekanntgabe erfolgte zwei Tage nach der Ankündigung einer Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Israel und Marokko. Das nordafrikanische Land ist nach den Arabischen Emiraten, Bahrain und dem Sudan der vierte arabische Staat, der seit August seine Beziehungen zu Israel normalisierte. Beobachtern zufolge könnten weitere Länder folgen, darunter Saudi-Arabien und Oman, aber auch einige Länder wie Indonesien, die Israel traditionell kritisch gegenüberstehen.

Am Samstag hat die US-Regierung derweil ihre neue offizielle Landkarte des Königreichs Marokko präsentiert. Die enthält nun auch das völkerrechtlich umstrittene Gebiet der Westsahara. David Fischer, Botschafter der USA in Marokko, stellte die Karte laut einem Tweet der Botschaft am Abend vor. Die Karte sei eine greifbare Darstellung der Ankündigung von Präsident Donald Trump, die Souveränität Marokkos über die Westsahara anzuerkennen, sagte Fischer. Marokkos König Mohammed VI. soll sie als Geschenk erhalten. Trump hatte in einem umstrittenen Schritt am Freitag zugesagt, Marokkos Souveränität über das Gebiet anzuerkennen. Gleichzeitig will Marokko seine Beziehungen zu Israel normalisieren.

Die Westsahara ist eine dünn besiedelte Wüstenregion an der nordafrikanischen Atlantikküste. Dort leben rund 580 000 Menschen auf einer Fläche, die etwa der Größe Italiens entspricht. Marokko war dort 1975 einmarschiert und kontrolliert große Teile des Gebiets, was international aber nicht anerkannt wird. Die von Algerien unterstützte Befreiungsbewegung Polisario strebt dort seit Jahrzehnten nach Unabhängigkeit. Marokko möchte der Region aber nur Autonomie zugestehen. Die Westsahara hat große Phosphatvorkommen und vor der Küste reiche Fischgründe sowie womöglich Öl.

In der Westsahara gilt seit 1991 ein Waffenstillstand, der von einer UN-Mission (Minurso) überwacht wird. Die Spannungen hatten dort im November nach einer marokkanischen Militäroperation zugenommen. Die UN haben in dem Streit ein Referendum vorgeschlagen, aber es ist strittig, wer daran teilnehmen dürfen soll. Altbundespräsident Horst Köhler hatte als UN-Gesandter zeitweise in dem Konflikt vermittelt. Die Westsahara zählt laut UN zu den letzten 17 Hoheitsgebieten weltweit, die noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben.

Agenturen/nd Kommentar Seite 8

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