Aufgeteilt in Millionenhäppchen

Immobilienkonzern Akelius bietet in Berlin Eigentum für über 10.000 Euro pro Quadratmeter an

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Goldfarben prangt die Hausnummer an der Fasanenstraße 59 in Berlin-Wilmersdorf, rund 600 Meter südlich des Kurfürstendamms. Das ist Programm, denn der schwedische Immobilienkonzern Akelius stellt in dem Gründerzeitbau eine Drei-Zimmer-Wohnung für 1,25 Millionen Euro zum Verkauf. Fast 10 400 Euro werden also für jeden einzelnen der etwas über 120 Quadratmeter Wohnraum fällig. Und dabei geht es nicht um eine Dachgeschosswohnung mit Blick über die Stadt - das teure Objekt befindet sich im ersten Stock des Vorderhauses.

»Wer bei Akelius-Angeboten von 10 000 Euro pro Quadratmeter noch immer glaubt, die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen sei eine Lösung für die Wohnungskrise, ist schlichtweg Lobbyist, unverantwortlich und realitätsfern«, kommentierte die Akelius-Mieter*innenvernetzung die Verkaufsangebote auf Twitter.

Das ist auch für den von überschießenden Preisen geprägten Berliner Immobilienmarkt stattlich. Denn die Online-Plattform Immobilienscout 24 vermeldet für die feine Gegend einen durchschnittlichen Kaufpreis von rund 5450 Euro pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen. 2016 lag er demnach noch bei etwa 3600 Euro pro Quadratmeter. In jenem Jahr wechselte das Haus laut Akelius-Mieter*innenvernetzung ins Eigentum des schwedischen Konzerns, der schon mit Vermietungsangeboten für 40 Euro pro Quadratmeter in Berlin von sich reden gemacht hat.

Erst 2014 hatte die Investmentgesellschaft des Berliner Hausaufkäufers Jakob Mähren die Liegenschaft mit damals 26 Wohnungen und 2200 Quadratmetern Nutzfläche von privat erworben. Der Immobilienverwerter attestierte dem »charmanten, sanierungsbedürftigen Wohnungskomplex« ein »enormes Potenzial«. Das ist aufschlussreich, gerieren sich doch sowohl die Mähren AG als auch Akelius als sogenannte Bestandshalter. Also Unternehmen, die Immobilien erwerben, um sie dann langfristig zu bewirtschaften.

Akelius sucht für weitere Wohnungen in dem Wilmersdorfer Haus Käufer; die Quadratmeterpreise bewegen sich zwischen rund 8700 und 8900 Euro. Auch in Mitte will der Konzern verkaufen. In der Swinemünder Straße 5, zwischen Arkona- und Zionskirchplatz gelegen, werden knapp 70 Quadratmeter für 580 000 Euro angeboten - etwas über 8300 Euro pro Quadratmeter.

Bereits im Juli hatte Akelius gegenüber »nd« den Verkauf von Wohnungen in zwei Berliner Mietshäusern als »Test« angekündigt. »Wir wollen weder einzelne Wohnungen noch ganze Häuser im größeren Stil verkaufen«, sagte der für die Innenstadtbezirke zuständige Akelius-Regionalmanager Max Heldt. Die Möglichkeit hätte der Konzern. Rund ein Drittel des Berliner Bestands von 14 000 Wohnungen ist bereits aufgeteilt. Zuletzt wurde bekannt, dass Akelius im Oktober Abgeschlossenheitsbescheinungen für die 391 Wohnungen der Anton-Saefkow-Siedlung in Prenzlauer Berg erhalten hatte. »Es wird erneut deutlich, was Akelius treibt: die maßlose Gier nach maximalem Profit«, kommentierte das die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe gegenüber »nd«.

Im ersten Halbjahr 2020 kauften Mieter nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung lediglich 3,4 Prozent von in Eigentum ungewandelten Wohnungen. In Milieuschutzgebieten lag die Quote von 2015 bis 2019 bei gerade mal 0,3 Prozent.

Ein schneller Verkauf ist allerdings ungewiss. Im ersten Halbjahr 2020 gingen laut Gutachterausschuss für Grundstückswerte die Verkäufe von Berliner Eigentumswohnungen im Vorjahresvergleich um 21 Prozent zurück. Wegen weiter steigender Preise sank der Geldumsatz nur um 15 Prozent. Seit einem Höchststand 2015, als in der Berliner Innenstadt knapp 2000 Eigentumswohnungen in aufgeteilten Häusern mit Baujahr bis 1918 verkauft worden sind, haben sich die Zahlen fast halbiert. 2019 fanden gerade noch 1147 dieser Wohnungen einen Käufer.

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