Viva la Defa (2): »Der Untertan«

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Als sich Thomas Mann noch in den »Betrachtungen eines Unpolitischen« erging, elitären jungkonservativen Schwadronaden, hatte sein älterer Bruder, der weltoffenere Heinrich, sich mit »Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen« bereits einen Namen bei besorgten Mitbürgern und der Zensur gemacht. Sechsundzwanzig Jahre später wurde die Verfilmung mit Marlene Dietrich und Emil Jannings zum Welterfolg.

Das popkulturelle Gedächtnis hat vor allem die »fesche Lola« abgespeichert, weniger den unglückseligen Gymnasiallehrer Raat, der verbissen die deutschen Sekundärtugenden lebt und sich in der Tugendfalle verfängt. Aus der Aufwallung menschlicher Gefühle heraus wird er erst zum Conférencier und Clown der bürgerlichen Gesellschaft, schließlich zum Paria. Heinrich Mann hatte sein gutbürgerliches Umfeld so gut getroffen, dass es ihm niemals verzieh. Mann wiederum begann 1911 mit der Arbeit an »Der Untertan« noch eins draufzusetzen. Der Vorabdruck wurde mit Kriegsbeginn 1914 abgebrochen, 1915 wurde eine russische Übersetzung publiziert, es folgte ein Privatdruck.

Erst 1918 erschien im Kurt Wolff Verlag Leipzig (nach dem die Stiftung zur Förderung unabhängiger Verlage benannt ist) eine größere Auflage. Und wieder machte es Rummms! Man war empört ob der treffenden Darstellung patriotischer Gemütszustände vor dem ersten Weltkrieg, von denen man annehmen durfte, dass sie den Zusammenbruch des Kaiserreichs überlebt hatten. Im Mai 1933 brannten seine Bücher auf den Scheiterhaufen der akademischen Hitlerjugend, im August 1933 wurde er ausgebürgert.

1951 landete die Defa mit der Verfilmung, die Heinrich Mann leider nicht mehr erlebte, einen Coup. Regisseur Wolfgang Staudte und Kameramann Robert Baberske arbeiteten so werkgetreu wie experimentell gekonnt den Aufstieg des Diederich Heßling heraus, dass die konservative Presse ihn als ein Werkzeug der »Bolschewisierung der Welt« sah und bundesdeutsche Stellen es als verfassungsfeindliches Werk für sechs Jahre verboten. Was selbst der antikommunistisch grundierte RIAS kritisierte: »Hier liegt einer der klarsten und saubersten Filme vor, der einen Großteil der westdeutschen Filmhersteller in einen Gewissenskonflikt mit ihrem eigenen Filmgeschmack bringen müsste.«

Es ist auch ein gar zu komischer Entwicklungsroman eines autoritätshörigen, feigen Bürschchens, das den Stiefel küsst, der es tritt und zugleich den Teutonius Haudrauf gibt, der nichts außer Gott und Kaiser fürchtet. Und sich durchaus liberal zu geben weiß, wenn es der Karriere dienlich ist. »Das Trinken, das Sprechen, das Singen, das Stehen und Sitzen, alles wird kommandiert. Und wenn man dem folgt, lebt man mit sich und der Welt in Frieden.« Die Wiedergänger des Diederich Heßling sind noch unter uns; manche wissen sich liberal zu geben, manche werden Außenminister. Deshalb wäre es der politischen Bildung förderlicher, statt jeder dritten Talkshow einfach nur den »Untertan« zu senden. Unterhaltsamer wäre das sowieso: Hurra, hurra, hurra! mps

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