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Eine große Familie?

Der alte, neue Boss des FC Barcelona weckt Hoffnung auf einen Verbleib Lionel Messis

  • Von Emilio Rappold
  • Lesedauer: 2 Min.

Im Zittern um den Verbleib von Superstar Lionel Messi schöpfen die Fans des FC Barcelona neue Hoffnung. Der frühere Klubboss Joan Laporta gewann die Chef-Wahl beim krisengeschüttelten spanischen Fußball-Topclub wohl auch wegen des Versprechens, er werde dem Argentinier, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, schnell alle Wechselgedanken ausreden. »Das löse ich auf einer Grillparty«, hatte der 58-Jährige erst drei Tage vor der Abstimmung versichert.

Am Sonntag gewann der Rechtsanwalt, Unternehmer und Politiker mit mehr als 54 Prozent der Stimmen - einem der besten Ergebnisse bisher. Und in seiner Siegesrede war Messi natürlich das Hauptthema: Dass der 33 Jahre alte Profi in der schwierigen Situation erstmals gewählt und im Camp-Nou-Stadion seinen ältesten Sohn Thiago (8) mit dabei gehabt habe, zeige, dass er den Klub liebe. »Wir sind alle eine große Familie«, betonte der künftige Boss, der sein Amt antreten darf, sobald die Liga die vorgeschriebene Bürgschaft in Höhe von gut 124 Millionen Euro (15 Prozent des Klub-Etats) gutheißt.

»Laporta bringt den Fans die Freude zurück«, schrieb am Montag die katalanische Fachzeitung »Mundo Deportivo«. Das Konkurrenzblatt »Sport« meinte, bei der Wahl hätten »die Erinnerungen an das beste Barça der Geschichte« den Ausschlag gegeben. Unter der Ägide Laportas, der zwischen 2003 und 2010 das Sagen hatte, gewannen die Katalanen nicht nur vier Liga-Titel und zweimal die Champions League. Laporta hatte den Verein mit einem Schuldenberg von 160 Millionen übernommen und saniert.

Die Lage ist heute nicht besser als einst bei seinem Antritt: Schulden von 1,17 Milliarden Euro, sportlich und institutionell schwer angeschlagen. »Laporta hat viel Arbeit vor sich. Aber das bereitet ihm keine Angst. Im Gegenteil. Er ist selbstbewusst und will Barça wieder zum besten Klub der Welt machen«, schrieb »Sport«.

Die vorzeitige Abstimmung war notwendig geworden, nachdem Josep Bartomeu nach sechseinhalb Jahren im Oktober zurückgetreten war. Bartomeu hatte zuvor im Sommer Messi daran gehindert, den Klub vorzeitig zu verlassen. Der Streit sorgte nach der historischen 2:8-Königsklassen-Pleite gegen den FC Bayern für zusätzliche Unruhe.

In der »Barçagate«-Affäre um illegale Aktivitäten im Netz war Bartomeu am Dienstag in Polizeigewahrsam genommen worden. Am Mittwoch wurde er unter Auflagen freigelassen. Nach Justizangaben steht er im Verdacht, eine Verleumdungskampagne gegen Messi, weitere Spieler und andere Personen initiiert zu haben, die sich kritisch über die Clubführung geäußert hatten. Bartomeu bestreitet die Vorwürfe. Die Fans denken aber nicht mehr an Bartomeu - nur noch an die Grillparty.

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