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Journalistenorganisation fordert Diversitätsquote in den Medien

Neuen deutschen Medienmacher*innen: 30 Prozent der Medienschaffenden sollten Personen aus Einwanderfamilien, Schwarze und People of Color sein

  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Die Journalistenorganisation »Die Neuen deutschen Medienmacher*innen« (NdM) hat sich für mehr Vielfalt in deutschen Medien ausgesprochen. Bis 2030 müssten Redaktionen eine Diversitätsquote von 30 Prozent erreicht haben, erklärte die Organisation am Mittwoch in Berlin. Knapp jede dritte Stelle sollte bis dahin mit Personen aus Einwanderfamilien, Schwarzen und Medienschaffenden of Color besetzt werden. »Bei Diversity geht es nicht um Nettigkeit oder nur um Teilhabechancen für alle, mehr Vielfalt bringt neue Zielgruppen und vor allem einen besseren, erfolgreicheren Journalismus«, sagte NdM-Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz.

Wenn Medien in den kommenden Jahren anschlussfähig bleiben wollen, müssten sie sich grundlegend verändern, so die NdM. Bundesweit seien derzeit in den Medienhäusern etwa fünf bis zehn Prozent Journalistinnen und Journalisten mit Migrationsgeschichte tätig. Gleichzeitig steige der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft: Unter Kindern und Jugendlichen liege dieser bei rund 40 Prozent, verteilt über alle Altersgruppen bei 26 Prozent.

Die Organisation veröffentlichte zugleich ein »Handbuch für Diversity«. Die erste Publikation dieser Art richtet sich demnach speziell an Medienhäuser. Darin vorgestellt werden unter anderem Best Practice-Beispiele sowie konkrete Schritte für mehr Vielfalt. Das Handbuch enthält zudem Gastbeiträge von Gewerkschaften sowie Stiftungen und wurde von der Technischen Universität Köln sowie der Google News Initiative unterstützt.

Medien hätten die Verantwortung, »die Gesellschaft so abzubilden, wie sie ist, und nicht so zu beschreiben, wie sie war«, betonte der Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa), Sven Gösmann, bei der Vorstellung des Handbuchs. Noch seien die Strukturen »sehr so, wie die Gesellschaft mal war«. Zwar seien etwa die dpa-Leitungspositionen inzwischen mehrheitlich weiblich besetzt, im Newsroom der Nachrichtenagentur sei die Redaktion dagegen noch sehr homogen. »Es gibt Erfahrungswelten, die häufig sehr identisch sind«, sagte Gösmann, »und die unseren Blick als Journalistinnen und Journalisten auf die deutsche Gesellschaft und auch auf die Gesellschaft in der Welt unglaublich verengen.« Das Diversitäts-Handbuch sei deshalb »ein einziger Auftrag für jeden Chefredakteur und jede Chefredakteurin, der lautet 'mach was anders!'«, so Gösmann.

Die Integrations- und Vielfaltsbeauftragte des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Iva Krtalic, verwies darauf, dass etwa in Nordrhein-Westfalen fast die Hälfte der Grundschulkinder einen Migrationshintergrund habe. Die kulturelle Vielfalt sei deshalb nicht nur eine Frage des Diversity-Managements, »sondern das ist eine zentrale publizistische Aufgabe«. Medien müssten sich mit dem Publikumswandel und dem Wandel in der Gesellschaft befassen. Dabei seien die Frage der Personalentwicklung mit der publizistischen Frage miteinander verschränkt, sagte Krtalic.

Das Handbuch kann den Angaben zufolge nicht käuflich erworben werden. Es werde Medienhäusern gratis zur Verfügung gestellt, »wenn die Chefredaktion oder Intendanz uns eine Stunde Zeit einräumt, in der wir erklären, warum Diversität Chef:innensache ist«, erklärten die NdM. epd/nd

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