Hintertüren für Stammgäste

Mit einem vierwöchigen Lockdown will Frankreich das Infektionsgeschehen unter Kontrolle halten

  • Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit Ostern gilt für ganz Frankreich der dritte Lockdown, den Präsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache Mitte vergangener Woche verkündet und auf zunächst vier Wochen befristet hat. Bis über die Osterfeiertage galt noch eine »Gnadenfrist«, in der man frei im Lande reisen und beispielsweise die Kinder bei den Großeltern unterbringen oder die ganze Familie sich für die nächsten vier Wochen ins Wochenendhaus zurückziehen konnte. Jetzt darf man das Heimatdepartement nur noch in Ausnahmefällen verlassen und muss zwischen 19 und 6 Uhr zu Hause bleiben. Andererseits sind die Bewegungseinschränkungen lockerer als bei den ersten beiden Lockdowns, denn man darf sich zeitlich unbegrenzt in einem Umkreis von zehn Kilometern um seine Wohnung bewegen.

Die Regierung appelliert an die Unternehmen, für möglichst viele Mitarbeiter Homeoffice zu gewährleisten, und kündigt Kontrollen und sogar Geldstrafen an, weil längst nicht alle Möglichkeiten genutzt werden. Da für die Schüler die Osterferien verlängert und außerdem Kindergärten und Krippen geschlossen wurden, haben viele Eltern Probleme, Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.

Die Impfkampagne kommt nach bürokratischen und logistischen Anlaufproblemen immer mehr in Fahrt, aber viele Ärzte sind verärgert, dass die Regierung trotz zahlreicher Warnungen den Lockdown im Interesse der Wirtschaft extrem lange hinausgeschoben hat. In einem offenen Brief kündigten dieser Tage 41 Intensivmediziner der Pariser Region für die nächsten Wochen einen dramatischen Mangel an Plätzen auf ihren Stationen an. Die seien heute schon zu 130 Prozent ihrer Normalkapazität belegt.

In der Bevölkerung greifen Corona-Müdigkeit und Unzufriedenheit mit den verhängten Maßnahmen um sich, von Medien sowie von Oppositionspolitikern und vor allem von den Rechtsextremen noch geschürt. Während Umfragen zufolge beim ersten Lockdown 96 Prozent der Franzosen mit den Maßnahmen einverstanden waren, sind es jetzt nur noch 56 Prozent. Demonstrationen und andere Formen von organisiertem Widerstand gibt es aber kaum, eher bei schönem Wetter Ansammlungen von Menschen. Allerdings hört man immer öfter von illegal geöffneten Restaurants, in die Stammgäste durch die Hintertür eingelassen werden.

Aufsehen hat ein Bericht des Fernsehsenders M6 erregt, wonach an einem illegalen Luxusdiner für 400 Euro pro Person sogar Minister teilgenommen hätten. Von Regierungssprecher Gabriel Attal wurde inzwischen bekannt, dass er eingeladen war, das Ansinnen aber zurückgewiesen hat. Pierre-Jean Chalençon, der Organisator des Abends und enger Freund von Marine Le Pen, versuchte inzwischen sein bekannt gewordenes Unternehmen herunterzuspielen und als Aprilscherz darzustellen. Dem widersprechen die Journalisten von M6 und versichern, dass das Diner tatsächlich stattgefunden hat und sich unter den 40 Teilnehmern mindestens ein Minister befand. Sollte sich das bestätigen, müsse das betreffende Kabinettsmitglied umgehend seinen Hut nehmen, erklärte Premier Jean Castex.

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