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+++ Ethikrats-Mitglied für vorrangige Impfung für Schüler und Studenten +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Dienstag, 4. Mai 2021: +++ Ramelow kritisiert Regierungspläne zu Regelungen für Geimpfte +++ Indien meldet mehr als 20 Millionen Corona-Fälle +++ RKI registriert 7534 Corona-Neuinfektionen +++

  • Lesedauer: 4 Min.

Berlin. Ethikrats-Mitglied Wolfram Henn hat sich für vorrangige Impfungen für Schüler und Studenten ausgesprochen, bevor die Impfpriorisierung gänzlich aufgehoben wird. »Durch die medizinisch begründeten Priorisierungen sind wir jetzt weitgehend durch«, sagte der Humangenetiker der »Berliner Zeitung« (Dienstag). Die meisten Hochrisikogruppen seien geimpft. »Jetzt brauchen wir eine sozial begründete Priorisierung«, sagte Henn. Es sei an der Zeit, nun die Bevölkerungsgruppen in den Blick nehmen, die in ihren Lebenschancen durch die Beschränkungen am stärksten beeinträchtigt seien, erklärte er. Kinder und Jugendliche müssten durch die Corona-Beschränkungen die größten Langzeitschäden in ihrer Lebensperspektive hinnehmen. »Das ist die nächste Priorisierungsgruppe, die unbedingt kommen muss, bevor eine Impffreigabe für alle erfolgt«, forderte Henn.

Weiter gab das Ethikrats-Mitglied zu bedenken: »Bei einer bedingungslosen Freigabe wäre zu befürchten, dass dann die mit den besten Beziehungen vorrangig zum Zuge kämen.« Bei allen Schwierigkeiten der vergangenen Monate sei man bisher ohne »Ellenbogen-Mentalität« durch die Pandemie gekommen, es sei - von einigen Ausnahmen abgesehen - alles weitgehend transparent verlaufen. »Das sollten wir jetzt nicht aufgeben«, sagte Henn. Wichtig sei auch, dass die Impfung der jüngeren Gesellschaftsgruppen so unbürokratisch wie möglich verlaufe. So sollten sich Studierende etwa nach Vorlage ihres Studierendenausweises bei der Hausärztin impfen lassen können, schlug Henn vor.

+++ Ramelow kritisiert Regierungspläne zu Regelungen für Geimpfte +++

Düsseldorf. In der Debatte um Erleichterungen für Geimpfte und von Covid-19 Genesene hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) die Pläne der Bundesregierung als undurchsichtig und verwirrend kritisiert. »Ich weiß bis heute nicht, was genau der Bundesgesetzgeber eigentlich regeln will«, sagte Ramelow der »Rheinischen Post« (Dienstagsausgabe). Außer der öffentlichen Debatte, die von wahlkämpfenden Politikern befeuert werde, sei ihm bislang keine klare Vorlage der Bundesregierung bekannt. »Das Eckpunktepapier vom Impfgipfel, in dem praktische Beispiele für Genesene, Getestete und Geimpfte erörtert wurden, hat die Bundeskanzlerin selbst wieder kassiert«, sagte Ramelow der Zeitung.

Dabei betonte der Ministerpräsident den Unterschied zwischen der geplanten Bundesverordnung, die eine Rückkehr zu Grundrechten für Geimpfte und Genesene ermöglichen soll, und bereits geltenden Verordnungen auf Landesebene zur Gleichstellung von Genesenen, Getesteten und Geimpften. »Im Moment wäre ich schon froh, wenn wir die Gleichstellung flächendeckend erreichen würden, wenn also die notwendigen Dokumente, die Genesene, Getestete und Geimpfte vorlegen müssen, um ihre Immunisierung nachzuweisen, gleichgestellt werden«, sagte der Ministerpräsident. Er befürchte jedoch, dass die momentane Debatte viel zusätzliche Verwirrung in der Bevölkerung stifte. »Die Bundesregierung sehe ich als Teil der Verwirrung und nicht als Teil der Entwirrung«, sagte Ramelow dem Blatt.

+++ Berliner Gesundheitsämter zögern mit dem Einsatz der Luca-App +++

Berlin. Die Berliner Gesundheitsämter halten sich mit dem Einsatz der Luca-App noch weitgehend zurück. Technisch möglich ist die Nutzung im Bezirk Reinickendorf bereits seit der ersten Aprilwoche. In der Praxis wurde sie aber bisher nicht zu einer Kontaktpersonennachverfolgung genutzt, teilte das Bezirksamt mit, »da dies noch nicht erforderlich war.« Ähnlich sind die Erfahrungen im Berliner Südwesten: Das Gesundheitsamt in Steglitz-Zehlendorf sei EDV-technisch mit der Luca-App verbunden. »Ein Datenaustausch hat allerdings hierüber bislang noch nicht stattgefunden.«

So lauten die Erfahrungen fast unisono in annähernd allen Bezirken. Alle »technischen und rechtlichen Voraussetzungen« für den Einsatz der Luca-App seien erfüllt, heißt es vom Bezirksamt Pankow. »Im Alltag wurde die App bisher noch nicht eingesetzt«, so Gesundheitsstadtrat Torsten Kühne. Der CDU-Politiker weist in dem Zusammenhang auf offene Fragen im Zusammenhang mit dem Datenschutz hin.

+++ Indien meldet mehr als 20 Millionen Corona-Fälle +++

Neu Dehli. Indien hat seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr als 20 Millionen Infektionen registriert. Das Gesundheitsministerium meldete am Dienstag mehr als 357.000 neue Fälle binnen eines Tages. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus stieg um 3449 auf mehr als 222.000.

Das Land erlebt derzeit eine heftige zweite Corona-Welle. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Immer wieder gibt es Berichte über Todesfälle wegen mangelndem Sauerstoff in Kliniken. Deutschland und andere Staaten schickten inzwischen Nothilfe in das Land. Am Samstag trafen 120 Beatmungsgeräte und Medikamente mit einer Bundeswehrmaschine in Neu Delhi ein, Mitte der Woche soll eine Sauerstoffanlage folgen.

+++ RKI registriert 7534 Corona-Neuinfektionen +++

Berlin. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 7534 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI von Dienstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05:08 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Am Dienstag vor einer Woche hatte der Wert bei 10 976 gelegen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 141,4 (Vortag: 146,9; Vorwoche: 167,6) Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 315 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 344 Tote.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 0,88 (Vortag: 0,92). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 88 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. Agenturen/nd

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