Kritik am Greenwashing

Proteste vor der Hauptversammlung des Baustoffkonzerns HeidelbergCement

Es ist ungemütlich regnerisch und stürmisch an diesem Mittwochmorgen in Heidelberg. Vor dem Gebäude des Baustoffkonzerns HeidelbergCement haben sich dennoch Aktivist*innen aus Umwelt- und Menschenrechtsgruppen versammelt. Während das Unternehmen drinnen sein Rekordergebnis präsentiert, schallt draußen Kritik wegen Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen über den Vorplatz.

»Wir sehen heute, wie profitabel die Ausbeutung von Mensch und Natur noch ist. Nachhaltigkeitsberichte ohne Schutz von Menschenrechten sind leere Versprechen an alle, die heute schon gegen die Klimakrise kämpfen«, sagte die Aktivistin Darya Sootodeh von Fridays for Future Heidelberg.

Bereits am Vortag hatten rund 50 Aktivist*innen von Extinction Rebellion die Zufahrtsstraße eines Zementwerks im baden-württembergischen Leimen blockiert. »HeidelbergCement beutet weltweit Mensch und Natur aus«, sagt Pressesprecher Nils Urbanus.

Die Klimaaktivist*innen sind Teil des Bündnisses »CemEND«, das den »angeblichen sozial-ökologischen Wandel des Unternehmens als bloßes Greenwashing« kritisiert. »Von einem sozial gerechten und ökologischen Umbau ist der Konzern Meilen entfernt. Doch nichts anderes wäre angesichts der akuten Arten- und Klimakrise angemessen«, sagt Jana Ballenthien von der Umweltorganisation Robin Wood. So habe der Konzern im Dezember zwar bekannt gegeben, durch eine Abscheideanlage die CO2-Emissionen zu halbieren.

Laut Berechnungen der Umweltgruppe würden diese jedoch nur etwa zwei Prozent einsparen. »Wir müssen weniger und anders bauen«, sagt Yulika Tsuda von Extinction Rebellion. Wohnraum dürfe nicht der Spekulation dienen. Zusätzlich wäre es an vielen Stellen leicht möglich, Beton durch alternative Baustoffe zu ersetzen. Die Zementindustrie gehört mit einem Anteil von acht Prozent weltweit zu den großen CO2-Verursachern, HeidelbergCement ist der zweitgrößte Zementhersteller der Welt. Die Ankündigung, 2050 klimaneutral zu werden, reiche bei weitem nicht aus.

In der Kritik stehen auch die weltweiten Geschäftspraktiken des Konzerns. So wehren sich in Indonesien Anwohner*innen gegen ein Projekt des indonesischen Tochterunternehmens Indocement, eine Zementfabrik am Kendeng-Gebirge in Pati, Zentraljava, zu errichten.

In Togo unterstützten der Konzern und seine Tochterfirmen die autokratische Regierung, erklärte ein Vertreter der togoischen Diaspora Deutschland auf der Kundgebung. Dort ist HeidelbergCement seit 1984 präsent mit der Produktion von Zement und Klinker sowie mit Kalkabbau, der einhergehe mit der Zerstörung der Umwelt.

Der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen thematisierte auf der Hauptversammlung noch einen weiteren Punkt: Die Ausschüttung einer Rekord-Dividende von 2,20 Euro pro Aktie, obwohl der Konzern finanziell von der staatlichen Unterstützung der Kurzarbeit profitierte. »Bevor HeidelbergCement den Gewinn ausschüttet, sollte zuerst die Summe an den Staat zurückgezahlt werden, die HeidelbergCement durch die Kurzarbeit einsparen konnte«, heißt es im Gegenantrag des Dachverbandes.

Der Baustoffkonzern selbst erwartet weiterhin gute Jahre. Insbesondere die von vielen Regierungen aufgelegten Konjunkturprogramme zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung dürften sich kurz- und mittelfristig positiv auf die Bautätigkeit und damit auf den Absatz auswirken, heißt es im Jahresbericht.

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