Robin Wood lichtet den Anker

Am Wochenende startet die Floßtour mit Aktionen zum Klimaschutz

  • Von Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 4 Min.
Von Bord der »Robina Wald« aus wollen Umweltaktivist*innen über Möglichkeiten der Energiewende informieren.
Von Bord der »Robina Wald« aus wollen Umweltaktivist*innen über Möglichkeiten der Energiewende informieren.

Sanft schaukelt das kleine Floß auf den Wellen, die die Touristenschiffe in der Spree verursachen. Vor der Glasfront des Paul-Löbe-Hauses gegenüber der Anlegestelle am Schiffbauerdamm wirkt die »Robina Wald« winzig. So heißt das selbstgebaute, hölzerne Gefährt der Umweltorganisation Robin Wood. Umso selbstbewusster klingt die Botschaft, die sie auf dem Stoffdach Richtung Regierungsviertel sendet: »Mit Rückenwind für eine echte Energiewende!« Das ist das Motto der diesjährigen Floßtour, die Robin Wood am Wochenende startet. In den kommenden drei Wochen fahren die Umweltaktivist*innen von Berlin über Spree, Havel und Elbe bis nach Hamburg.

Mit »echter Energiewende« ist ein Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien gemeint. »Die Klimakrise ist dramatisch und Konzerne wie Vattenfall wollen statt Kohle künftig Gas oder Holz in den Großkraftwerken verfeuern. Das sind aber keine klimafreundlichen Alternativen«, sagt Ute Bertrand, Sprecherin von Robin Wood.

Deshalb plant die Umweltorganisation in den nächsten drei Wochen in 17 verschiedenen Städten entlang der Route Infoveranstaltungen und politische Aktionen zum Thema Ökostrom, Degrowth - also die Verringerung des Energieverbrauchs - und klimafreundliche Wärmeversorgung. »In dem Bereich sind wir in Deutschland noch sehr weit zurück. Das Heizen mit Holz wird als erneuerbar verkauft. Aber wenn wir die Wälder verfeuern, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen«, kritisiert Bertrand die Energiepolitik.

Ein erster Schritt, den jeder Haushalt machen könne, sei der Umstieg auf Ökostrom. Dafür hat Robin Wood 1200 Stromanbieter unter die Lupe genommen. Langfristiges Ziel müsse jedoch die Dezentralisierung und Demokratisierung der Energieversorgung sein. Darüber will die Floßcrew mit Interessierten zwischen Berlin und Hamburg ins Gespräch kommen. Aber auch Kletteraktionen und Konzerte, wie eines der Kieler Punkband Strom & Wasser, stehen auf dem Programm.

»Ich freue mich schon auf die Menschen, denen wir begegnen, aber auch auf die Momente, in denen ich vorne auf dem Floß sitzen und die Beine ins Wasser baumeln lassen kann. Das ist ein Stück Freiheit«, sagt Ute Bertrand, die schon bei mehreren Floßtouren dabei war. Seit 1999 macht Robin Wood fast jedes Jahr eine Tour durch verschiedene Gegenden, zu unterschiedlichen Themen. Im vergangenen Jahr musste sie aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen.

Idee der Floßfahrt sei auch, »einen sozialen Ort der Gemeinschaft zu schaffen, aus dem Alltag rauszukommen und eine andere Form des Reisens zusammen erleben«, so Bertrand. In der Regel sei die drei mal zehn Quadratmeter große »Robina Wald« mit etwa zwölf Personen besetzt, die sich zum Teil streckenweise abwechseln. Einige können auf dem Floß schlafen, die meisten werden in Zelten am Ufer übernachten. An Bord gibt es eine kleine Solarzelle für Funkgerät und Handys sowie einen Gaskocher. Leider brauche das Floß auch einen Motor, um steuerfähig zu sein. »Eine optimale klimaneutrale Lösung haben wir dafür noch nicht«, bedauert Bertrand. Zumindest das Gepäck solle unmotorisiert von Fahrradfahrer*innen transportiert werden.

Für Lena aus Berlin und Lotte aus Hamburg ist es die erste Floßtour. »Ich halte Umweltschutz für unfassbar wichtig, bin aber noch nicht alt genug, um zu wählen und finde die Tour einen guten Weg, um Menschen darauf aufmerksam zu machen, was alles passieren muss«, sagt die 17-jährige Lotte. »Ich freue mich auch darauf, hier andere Aktivist*innen kennenzulernen«, sagt Lena, die 19 Jahre alt ist. Thomas Wagner aus Hannover ist ebenfalls neu bei Robin Wood, war aber früher bei der Anti-Atomkraft-Bewegung und im Dannenröder Forst aktiv. »Zu Hause eine Petition unterschreiben kann jeder, aber mir ist es wichtig, aktiv zu werden«, sagt er.

Die nächsten drei Tage wird Robin Wood noch in Berlin verbringen: den Samstag von 11 bis 14 Uhr im Urbanhafen des Landwehrkanals, Sonntag nehmen die Aktivist*innen ab 11 Uhr an der »Climate&Boat«-Demonstration in der Rummelsburger Bucht teil. Interessierte sind eingeladen, das Floß zu besuchen oder auch eine Runde mitzufahren.

www.robinwood.de/floßtour-2021

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