Piks für Piks zur Normalität

Bundeskanzlerin und Handelsverband appellieren an Bevölkerung, sich impfen zu lassen

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.
Corona-Impfung: Piks für Piks zur Normalität

»Jetzt heißt es: Impfen, impfen, impfen!« Dieser Satz kommt nicht aus Politik oder Wissenschaft - er stammt aus der Wirtschaft. Genauer gesagt vom Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Mit dem Appell, sich impfen zu lassen, und einer dazugehörigen Plakatkampagne wolle der Einzelhandel »wachrütteln und motivieren«, so Genth. Denn nur mit »einer wirkungsvollen und schnellen Impfkampagne« könne man die Pandemie nachhaltig zurückdrängen »und uns dauerhaft mehr Normalität auch beim Einkaufen zurückerobern.«

Tatsächlich wächst nach einer kurzen Verschnaufpause mit zunächst kontinuierlich sinkenden und dann auf sehr niedrigem Niveau stabilen Infektionszahlen seit einiger Zeit erneut die Sorge vor einer weiteren Coronawelle, inklusive der damit wohl einhergehenden erneuten Einschränkung der gerade erst zurückgewonnenen Freiheiten - nicht nur beim Shopping. Denn während die Infektionszahlen zusehends steigen, sinkt gleichzeitig die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

Eine Entwicklung, die offenkundig auch Angela Merkel (CDU) umtreibt. In ihrer letzten Sommer-Pressekonferenz appellierte die scheidende Bundeskanzlerin ebenfalls an die Bundesbürger*innen, sich impfen zu lassen: »Je mehr Menschen geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein«, so die Kanzlerin. Auch diejenigen, die noch zögerten, sollten bedenken: »Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz für alle.« Daher sollten auch alle, die bereits überzeugt und geimpft sind, in Familien- und Freundeskreis oder am Arbeitsplatz für mehr Impfschutz werben. »Wir wollen alle unsere Normalität zurück, aber die erhalten wir nur als Gemeinschaft zurück«, so Merkel.

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete, lag am Donnerstagmorgen die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei 12,2. Vor einer Woche hatte sie noch bei 8,0 gelegen. Die Anzahl der verabreichten Impfdosen hingegen sinkt. Am Dienstag etwa wurden 572 482 Dosen verimpft. Im Vergleich dazu lag der Höchststand bei den Impfungen am 9. Juni bei 1,5 Millionen Dosen. Laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung verzeichneten vor allem die Impfzentren einen Rückgang.

In mehreren Bundesländern sind deshalb Schließungen von Impfzentren geplant oder es wurden bereits Einrichtungen geschlossen. So etwa in Bayern oder in Berlin, wo das Impfzentrum Tempelhof am Mittwoch geschlossen wurde und drei weitere bis Ende August folgen sollen. Thüringen will von vier überregionalen Impfzentren nur eines über den Sommer hinaus betreiben. Stattdessen bemühen sich viele Länder nun vermehrt um anderweitige Impfangebote, um die Bevölkerung zu erreichen. So kommen zum Beispiel immer mehr mobile Impfteams zum Einsatz oder Impfwillige können sich auch bei einem Termin immunisieren lassen.

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Um künftig besser auf Extremsituationen vorbereitet zu sein, stimmte das Bundeskabinett am Mittwoch einem Konzept der Bundesministerien für Gesundheit und Inneres zu einer nationalen Notfallreserve zu. Diese solle für drei Szenarien zur Verfügung stehen: für Pandemien, für den Fall der Störung weltweiter Lieferketten und für akute Notsituationen wie etwa Naturkatastrophen und für Verteidigungsfälle. Die Notfallreserve soll dabei unter anderem den Bedarf des Gesundheitssektors für bis zu sechs Monate decken können. Bewerkstelligt werden soll dies »im Wege von Warenbevorratung sowie des Vorhaltens von Produktionskapazitäten und Neuproduktion«.

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