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Ricarda Funk holt erstes deutsches Gold

Die Kanutin aus Ahrweiler denkt nach dem Sieg an die Flutopfer

  • Von Frank Kastner, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

Kaum hatte sich Ricarda Funk mit Olympiagold einen Kindheitstraum erfüllt, waren ihre Gedanken bei den Flutopfern in der vom Hochwasser schwer getroffenen Heimat. »Es war einfach nur schrecklich, die Bilder zu sehen, die mich stündlich erreicht haben. Ich habe auch einige Male Tränen vergossen, weil es einfach unfassbar war, was da passiert ist. Ich sage nur: Kreis Ahrweiler ist stark, und gemeinsam schaffen wir das«, so Slalomkanutin Funk nach ihrem Coup im Wildwasserkanal von Tokio. Die 29 Jahre alte Sportsoldatin feierte am Dienstag im olympischen Kanuslalom nach vielen Rückschlägen den größten Erfolg ihrer Karriere.

»Von der Goldmedaille hab ich immer geträumt, jetzt ist der Traum Realität geworden«, sagte Funk mit Freudentränen in den Augen. Sie siegte im 25-Stangen-Parcours im Kasai Canoe Slalom Centre vor der Spanierin Maialen Chourraut und der australischen Topfavoritin Jessica Fox und sorgte für die erste deutsche Goldmedaille in Tokio. In der Stunde ihres größten Erfolgs musste sie auch an ihren in Rio tödlich verunglückten Trainer Steffen Henze denken: »Der ist ganz tief im Herzen, und er ist überall mitgefahren, auf der ganzen Reise, bei jedem Wettkampf und bei jedem Training«, sagte sie mit tränenerdrückter Stimme.

Nach all den emotionalen und sportlichen Rückschlägen stand Funk endlich ganz oben. 2016 hatte sie Olympia verpasst. Bei Weltmeisterschaften wurde sie Zweite und Dritte im Einzel, nur für den Sieg hatte es bisher nie gereicht. Bis zu ihrem perfekten Tag in Tokio. Das Leichtgewicht schlängelte sich hier mit Kraft und Eleganz durch die Tore.

Das war im Halbfinale noch anders. Funk leistete sich als einzige Finalistin zwei Stabberührungen. Dennoch kam sie nach den Patzern an den Toren 4 und 12 dank ihrer Schnelligkeit als Drittbeste ins Finale. Das gab Zuversicht. »Nach dem Fehler im Halbfinale war ich mir nicht sicher, ob es zum Finale reichen würde. Ich bin nur ins Ziel gesprintet und sagte mir: Fahre um dein Leben«, berichtete Funk.

Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, war da optimistischer: »Ich habe gesagt: Gold, Silber oder nix. Heute hat die kompletteste Sportlerin gewonnen. Die mit den besten technischen Fähigkeiten, aber auch den stärksten physischen Fähigkeiten.«

Unterstützung bei Rückschlägen fand Funk immer in der Familie. »Durch meine Familie bin ich zu dem Sport gekommen, mein Vater hat mich jahrelang trainiert«, sagte sie. Entsprechend traurig war sie, dass ihre Liebsten den Triumph nicht vor Ort miterleben konnten.

Mit Papa Thorsten saß sie mit fünf oder sechs Jahren das erste Mal im Boot. Doch die Liebe zum Kanuslalom kam erst später. »Anfangs dachte ich, das ist was für Jungs. Ich wollte lieber eine typische Mädchensportart machen wie Reiten oder Tanzen.« Bei ihrem ersten Wettkampf wurde sie Letzte. »Danach habe ich mir gesagt: Nie wieder.« Erst mit 14 entschied sie sich komplett für das Kanu und gab das Tanzen in einer Karnevalsgruppe auf.

Ihre Leichtigkeit - gerade beim Tanz auf den Wellen - ist geblieben. Was nicht nur an ihren 53 Kilogramm Körpergewicht liegt. Im Feld der Weltklasseathletinnen ist sie mit die Leichteste, doch sie hat enorme Kräfte am Paddel.

Der Papa trainierte mit ihr auch auf der Strecke in Sinzig, die nun schwer beschädigt wurde: »Da bin ich aufgewachsen. Da habe ich meine ersten Paddelschläge gemacht. Es tut im Herzen weh, die Heimat so zu sehen.«dpa/nd

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