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Englische Wochen für den 1. FC Union

Conference League: Nach der Qualifikation gegen Kuopion PS wollen die Köpenicker auch die Gruppenspiele zu Festtagen im Olympiastadion machen

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.
Rot-weiße Stimmung im Berliner Olympiastadion
Rot-weiße Stimmung im Berliner Olympiastadion

Santeri Haarala konnte nicht genug bekommen. Der 21-jährige Stürmer von Kuopion PS stand noch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff trotz regennasser Kälte angelehnt an der Spielerbank – und beobachtete das Treiben auf der Gegengerade des Berliner Olympiastadions. Dort wurden gerade die Fußballer des 1. FC Union von ihren Fans gefeiert. Nichts Außergewöhnliches, eigentlich. Doch dieser Donnerstagabend bot allerlei Erstaunliches.

Der Delegation aus Kuopio wird der Ausflug in guter Erinnerung bleiben, obwohl ihre »europäische Reise« in Berlin ein Ende fand, wie Simo Valakari erzählte. Der Trainer des finnischen Pokalsiegers bedauerte nach dem torlosen Qualifikationsrückspiel in der Conference League nur kurz die »leichten Gegentore« im Hinspiel. Das 4:0 für Union eine Woche zuvor hatte schon vorentscheidenden Charakter. »Es war großartig, hier zu sein«, schwärmte Valakari. Wegen der »großartigen Atmosphäre«. In der heimischen Veikkausliiga spielt sein Team meist vor rund 1500 Zuschauern, im Olympiastadion waren es mehr als 22 000. Das genoss auch Ari Lahti. Als Santeri Haarala schon in der Kabine war, lief Kuopions Vereinspräsident mit einem roten Union-Shirt in den Händen noch mal auf den Rasen – freute und bedankte sich.

Alles andere als alltäglich war dieser Donnerstagabend auch für die Gastgeber. »Alte Försterei« – auch wenn immer wieder lautstark das eigene Stadion besungen wurde, das erste Heimspiel in einem europäischen Wettbewerb seit 20 Jahren musste der 1. FC Union im Olympiastadion bestreiten. Stehplätze sind für die Uefa ein Problem – »Wir nennen es Fußball«, stand auf einem Fanbanner. Für eine künftige Zulassung hatte sich Vereinspräsident Dirk Zingler Anfang des Sommers mit anderen Klubs und Fanorganisationen in einem gemeinsamen Brief an den europäischen Verband starkgemacht. Die nachvollziehbare Begründung: Nationale Regeln des jeweiligen Mitgliedslandes sollten auch bei Spielen der Uefa angewendet werden können.

Auf absehbare Zeit aber müssen die Köpenicker nach Charlottenburg fahren, zumindest für drei weitere Spiele. Die Auslosung zur Gruppenphase der Conference League am Freitag in Istanbul bescherte Union folgende Gegner: Slavia Prag, Feyenoord Rotterdam und Maccabi Haifa. »Das ist die schwierigste Gruppe«, ordnete Oliver Ruhnert mit Blick auf alle 32 Teams ein. Für ein Weiterkommen, meint Unions Sportchef, müssten dem Team einige gute Tage gelingen. Direkt für das Achtelfinale qualifizieren sich die acht Gruppensieger, alle Zweitplatzierten spielen darum in einer Zwischenrunde gegen die acht abgestiegenen Gruppendritten aus der höherklassigen Europa League.

Die Herausforderung in der Gruppe E ist angesichts der Gegner, die alle schon in der Champions League gespielt haben, hoch. Mit der zusätzlichen Belastung von sechs Spielen bis zum Dezember – »sechs englische Wochen«, wie Urs Fischer vorausblickte – geht Unions Trainer entspannt um. Er sehe es als Belohnung für das Erreichte, wisse aber auch, dass die Auswirkungen es für ihn nicht leichter machen werden. Am Sonntag, nach dem Heimspiel in der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach, wird der Schweizer mehr Erkenntnisse haben.

AS Rom, Tottenham Hotspur – der Wunsch vieler Anhänger nach ganz großen Namen blieb unerfüllt. Das Bestmögliche aus dem ungeliebten Umzug in das Olympiastadion haben Union und seine Fans aber auch schon gegen Kuopion gemacht. 22 159 Zuschauer waren gekommen, 4000 mehr als vor einer Woche zum Bundesligaspiel von Hertha BSC gegen Wolfsburg. Selbst die Ultras von Union hatten sich auf den Weg nach Charlottenburg gemacht. »Alle oder keiner« lautet eigentlich deren Motto in der coronabedingten Zeit von reduzierten Zuschauerzahlen. Deshalb verzichten sie, wie viele andere Ultragruppen im deutschen Fußball, auf Stadionbesuche. Weil aber die im Olympiastadion zugelassene Zuschauerzahl von 25 000 die Größe der »Alten Försterei« übertrifft, kamen sie. Alle zusammen machten Stimmung und Lärm, wie sonst nur sehr selten dort zu erleben. Als »außergewöhnlich« beschrieb Urs Fischer die Atmosphäre. Und er hat in seinen zwei Jahren mit Union schon viel erlebt.

Für die passenden Rahmenbedingungen hatte der Verein vorher viel getan. 35 Vereinsfahnen von Union wehten auf dem Dach des Olympiastadions. Insgesamt drei Tage waren nötig, um es ganz in Rot und Weiß zu schmücken. In diesen Farben leuchtete es innen und außen, auch dort, wo normalerweise die blau-weiße Laufbahn das Spielfeld umrandet – samt riesigem Vereinslogo am Marathontor. Von Dienstag bis Donnerstag sei fast durchgängig daran gearbeitet worden, erzählte Unions Pressechef Christian Arbeit »nd«. Der Aufwand habe sich aber gelohnt. Denn alles, was gebaut und gestaltet wurde, könne bei den kommenden Spielen wiederverwendet werden. Und dann ginge es auch wesentlich schneller.

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