Linker mit Knete

Jonas Gahr Støre ist Norwegens designierter neuer Regierungschef

Seit 2014 steht er der norwegischen Arbeiterpartei vor, jetzt kann Jonas Gahr Støre nach dem Amt des Regierungschefs greifen. Nach acht Jahren konservativer Politik mit Rechtsdrall herrscht Wechselstimmung im Land. Støres Sozialdemokraten profitieren davon indirekt, denn während sie am Wahlmontag leichte Verluste hatten, hatte die bürgerliche Konkurrenz schwere. Und die linken Koalitionspartner in spe der Arbeiderpartiet gewannen deutlich hinzu.

Der Mann, der deshalb Grund zum Strahlen hat, wird bereits jetzt mit einem Idol der skandinavischen Sozialdemokratie verglichen: Wie Schwedens 1986 ermordeter Staatsminister Olof Palme entstammt Støre begüterten Verhältnissen, ist ein rhetorisch begabter Intellektueller mit aristokratischer Aura, der außenpolitisch auf Verständigung und Kooperation setzt und vor der eigenen Tür die soziale Frage im Blick hat. Denn der reiche Ölstaat Norwegen hat nicht nur Luxusprobleme. Das Gefälle zwei reich und arm ist steil, vor allem Einwanderer finden sich am Rande der Gesellschaft wieder, erleben Ausgrenzung und Diskriminierung. Heikle Probleme erwarten die Regierung Støre auch auf dem Feld der Klimapolitik.

Der 1960 geborene Sohn eines Schiffsmaklers wuchs im reichen Westen der norwegischen Hauptstadt Oslo auf. Nach dem Dienst als Leutnant bei der Marine studierte Støre, der perfekt Französisch spricht, bis 1985 an der Elitehochschule Sciences Po in Paris Staatswissenschaften. Sein Weg führte ihn über die norwegische Staatskanzlei und die WHO in Genf im März 2000 als Chef in den Stab von Premier Jens Stoltenberg. Von 2005 bis 2012 war Støre Norwegens Außenminister. Im Juni 2014 löste er Stoltenberg, der als Generalsekretär zur NATO wechselte, als Parteivorsitzender ab und wurde auch Chef der Arbeiderpartiet-Fraktion im Storting. Im zweiten Anlauf nach 2017 hatte deren Spitzenkandidat nun Erfolg.

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