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  • Sachsen / Queer Pride Dresden

Mehr Sichtbarkeit für Dresdner Queers

Die LGBTIQ-Community in Sachsen ist in den vergangenen Jahren mehrfach Zielscheibe für homo- und transfeindliche Übergriffe geworden. Am Samstag laden junge Aktivist*innen zur Queer Pride Dresden

  • Von Thea Marie Klinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Letzten Herbst kam es in der Dresdener Altstadt zu dem schwulenfeindlichen Mord an Thomas L. Er stellte einen brutalen Höhepunkt in einer Reihe von homo- und transphoben Ereignissen dar, die sich in den vergangenen Jahren in Sachsen zugetragen hatten. So zum Beispiel in Pirna, wo 2017 während des Christopher Street Days nachts die Bühnenplanen zerschnitten und die Regenbogenflaggen heruntergerissen wurden.

Das Ausmaß der Gewalterfahrungen der queeren Community in Sachsen wird in einer Studie deutlich, die die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen 2019 veröffentlichte: Fast alle der 267 Befragten hatten innerhalb der vergangenen fünf Jahre mit Beleidigungen zu kämpfen, Gewalt scheint für viele eine Alltagserfahrung zu sein. Dies ist kein per se sächsisches Phänomen, Übergriffe auf die queere Community stellen bundesweit ein Problem dar. Teil dieses Problems ist auch die geringe Anzeigebereitschaft bei der Polizei seitens der Betroffenen. Aus der von der LAG Queeres Netzwerk Sachsen veröffentlichten Studie geht hervor, dass sich ein Großteil der Betroffenen wenig bis gar nicht gut von der Polizei begleitet fühlt.

Der Christopher Street Day Dresden, der sich als Sprachrohr der LGBTIQ-Community (Lesben, Schwule, trans, inter und queere Menschen) in Dresden und Sachsen begreift, war in den vergangenen Jahren mehrfach in die Kritik geraten. 2018 wurde dessen Organisator*innen vorgeworfen, sie distanzierten sich nicht genug von rechten Strukturen, 2019 wurden Missbrauchsvorwürfe gegen den Vorstandssprecher Ronald Zenker laut, welche inzwischen jedoch fallen gelassen wurden.

Seitdem kommt es für einige Gruppen nicht mehr in Frage, am Dresdener Christopher Street Day teilzunehmen. So verkündete die Initiative Seebrücke Dresden in einem Instagram-Post, dass sie für sichere queere Räume in Dresden eintrete, den CSD aufgrund dieser Vorwürfe aber ablehne. Unter dem Post hat sich eine längere Diskussion entfacht, in welcher der Dachverein CSD Deutschland den Dresdener CSD verteidigt, da dieser inzwischen »selbst Stellung bezogen hat und die Anschuldigungen gegen die genannte Person eingestellt wurden«. Ronald Zenker betont die wachsende migrantische Community innerhalb des CSD, für ihn sind die Vorwürfe nicht nachvollziehbar: »Wir machen so viele Veranstaltungen, die genau das, was uns vorgeworfen wird, widerlegen«.

Eine Alternative zum CSD bildet die Queer Pride Dresden, eine Demonstration, welche am Samstagnachmittag in Dresden stattfindet. Organisiert wird sie von einer Gruppe junger Aktivist*innen, die sich Ende 2020 als Reaktion auf die queer-feindlichen Übergriffe zusammenschloss. Sie verfolgen das Ziel, mehr sichere Räume für die LGBTIQ* Community in Dresden zu schaffen. »Wir setzen unsere Schwerpunkte auf Vernetzung, auf Community-Building« sagt Irène von Queer Pride Dresden. Bei der Demonstration am Samstag wollen sie zusammen mit der queeren Community aus Dresden, Wroclaw und Prag auf die Straße gehen. Die internationale Vernetzung sei ihnen dabei besonders wichtig. Seit Dezember treffen sich die inzwischen ca. 40 Leute wöchentlich um Vernetzungsmöglichkeiten in Dresden zu schaffen. Der Fokus liege dabei auf einem emanzipatorischen und stark anti-ableistischen Ansatz, der besonders auf FLINTA* (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans- und agender Menschen) ausgerichtet ist, denn vor allem für FLINTA* »gibt es in Dresden nach wie vor wenig Orte, an denen eine richtige Sichtbarkeit und ein richtiger Schutzraum existiert«, so Irène.

Der Queer Pride gehe es zwar nicht um eine Konfrontation mit dem Christopher Street Day - »keine Person muss sich entscheiden, ob sie bei der Pride oder beim CSD dabei sein will«, so Irène. Dennoch war den jungen Queers immer klar, dass sie ihr eigenes Ding machen wollen: »Wir wollen mit dem CSD nicht zusammenarbeiten, dafür ist uns die Geschichte zu belastet.«

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