Hass lässt sich besser verkaufen

Ehemalige Managerin beschuldigt Facebook-Konzern, bewusst Profitinteresse vor Sicherheit zu stellen

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Sonntagabend lüftete sie das Geheimnis: Frances Haugen, ehemalige Produktmanagerin von Facebook, hat Informationen über konzerninterne Untersuchungsergebnisse an das »Wall Street Journal« weitergegeben.

»Es gab Interessenkonflikte zwischen dem, was für die Öffentlichkeit gut war, und dem, was für Facebook gut war«, sagte Haugen in der CBS-Sendung »60 Minutes«. Der Algorithmus, der festlege, welche Inhalte Nutzer*innen angezeigt werden, sei darauf ausgelegt, eine Reaktion hervorrufen. Dabei sei es »einfacher, Menschen zu Wut zu inspirieren als zu anderen Emotionen«, sagte Haugen. Facebook habe erkannt, dass ein zugunsten der Sicherheit veränderter Algorithmus dazu führe, dass die Leute weniger Zeit auf der Seite verbringen. Dadurch verdiene das Unternehmen weniger Geld.

In einem Interview mit dem Sender CBS erklärte die 37-Jährige: »Die heutige Version von Facebook reißt unsere Gesellschaften auseinander und führt zu ethnischer Gewalt auf der ganzen Welt.« Haugen, die in der Vergangenheit auch für andere Unternehmen der Branche wie Google und Pinterest gearbeitet hat, erklärte, Facebook sei »bedeutend schlimmer« als alles, was sie zuvor gesehen habe.

Besonders ein Artikel hat den Onlinekonzern zuletzt unter Druck gesetzt. Darin ging es unter anderem um die Auswirkungen des Fotodienstes Instagram auf junge Nutzer*innen. In einer internen Untersuchung des Unternehmens wurde festgestellt, dass Instagram durch eine pausenlose Selbstinszenierung von Nutzer*innen bei zahlreichen Teenagern - vor allem Mädchen - die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärke. Das sorge für Essstörungen und Depressionen. »Wir machen Probleme mit dem eigenen Körperbild für eine von drei Teenagerinnen schlimmer«, zitierte das »Wall Street Journal« aus dem Bericht.

Facebook verwies nach den Veröffentlichungen darauf, dass weiteren Daten aus denselben Studien zufolge Teenager andere Themen als hilfreich bezeichnet hätten. Dennoch legte der Onlinekonzern vergangene Woche Pläne für eine Instagram-Version für Zehn- bis Zwölfjährige auf Eis. Aktuell dürfen Kinder im Alter ab 13 Jahren Instagram nutzen. Ein Facebook-Sprecher erklärte gegenüber dem »Wall Street Journal« am Sonntag nach den Äußerungen Haugens, der Konzern versuche täglich, eine Balance zwischen dem Recht von Milliarden Menschen auf freie Meinungsäußerung und einer sicheren Umgebung für Nutzer*innen zu finden.

Am Dienstag wird Haugen, die inzwischen bei den US-Behörden offiziell Schutz als Whistleblowerin beantragt hat, im US-Senat aussagen. Der Druck auf Facebook wird sich damit wohl weiter erhöhen. Der Demokrat Ed Markey verglich Facebook bereits mit der Tabakindustrie. »Instagram ist diese erste Zigarette der Kindheit«, die Teenager früh abhängig machen solle und am Ende ihre Gesundheit gefährde, sagte Markey.

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