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Brandenburg ist nur Zwischenstation

Die Netzhoppers KW-Bestensee und der SC Potsdam mussten vor dem Start der neuen Volleyball-Bundesligen ihre Teams erneuern

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.
Dirk Westphal (r.) spielt als Außenangreifer noch eine wichtige Rolle für die Netzhoppers. Vielleicht noch wichtiger: Er suchte einen neuen Trainer und stellte das Team zusammen.
Dirk Westphal (r.) spielt als Außenangreifer noch eine wichtige Rolle für die Netzhoppers. Vielleicht noch wichtiger: Er suchte einen neuen Trainer und stellte das Team zusammen.

Dirk Westphal hat sich seinen Sommer mal wieder ziemlich vollgepackt. Den ehemaligen Volleyball-Nationalspieler, seit einigen Jahren in Diensten des Bundesligisten Netzhoppers KW-Bestensee, zog es nach dem Ende der abgelaufenen Saison im Frühsommer zunächst an die Strände der Nation, um Beachvolleyball zu spielen. Außerdem übernahm er die Suche nach einem Trainer und neuen Spielern für seinen Verein. Und in den vergangenen Wochen musste er mit den Neuzugängen in der Halle auch noch zu einer neuen Mannschaft zusammenfinden. »Ich hatte viele Aufgaben zu erledigen. Ab jetzt erleben wir, ob ich das gut gemacht habe oder nicht«, sagt Westphal dem »nd« vor dem Start der Bundesligen von Männern und Frauen an diesem Mittwoch.

Ähnlich gespannt ist auch Eugen Benzel, Manager beim Frauen-Bundesligisten SC Potsdam. Beide Brandenburger Vereine haben viel gemeinsam. Im Februar standen sowohl die Netzhoppers als auch die Potsdamerinnen überraschend jeweils im Pokalfinale. Beide verloren und mussten danach mal wieder komplett neue Teams zusammenstellen. Durch die jüngsten Erfolge ist das aber etwas einfacher geworden, selbst in Brandenburg, wo Vereine üblicherweise nicht mit hohen Gehältern locken können.

In Bestensee konnte Westphal nur sechs Spieler halten, sieben neue holte er in den Berliner Speckgürtel, um den Kader wieder zu komplettieren. Bei Kollege Benzel war der Umbruch sogar noch drastischer: Von den 14 Spielerinnen sind neun frisch in Potsdam eingetroffen. Am schmerzhaftesten war wohl der Abgang der beiden Stützen Lindsey Ruddins und Symone Speech. Die US-Amerikanerinnen wechselten zum Pokalsieger aus Mecklenburg. »Schwerin hat einfach mehr Geld geboten«, sagt Benzel. »Das ist ein freier Wettbewerb, und wer am höchsten bietet, gewinnt. Wir konnten da nicht mitziehen.«

Aber: Schon nach zwei Wochen habe der Verein Ersatz gefunden. »Jetzt sind wir sogar breiter aufgestellt. Wir wollten viele gleichwertige Spielerinnen haben, damit es kein Abfallen des Niveaus mehr gibt, wenn gewechselt wird oder jemand verletzt ausfällt. Ich bin überzeugt, dass wir das geschafft haben. Und natürlich würden wir gern wieder wie in den drei letzten Jahren Bronze in der Meisterschaft holen.«

Diese Erfolge waren für den SC Potsdam jedoch nicht immer ein Segen. Wer hier gut spielt, steht schnell auf den Wunschlisten der großen drei aus Schwerin, Dresden und Stuttgart. Dabei will Potsdam dieses Trio endlich dauerhaft als Spitzenquartett komplettieren. Die Berater der Spielerinnen sehen den SC jedoch weiter eher als sportlichen Durchlauferhitzer und gehen bewusst das Risiko ein, hier nur Ein-Jahres-Verträge abzuschließen, um nach einer guten Saison andernorts höher dotierte Verträge abzuschließen, samt höheren Provisionen. »Das ist ein Problem für uns«, sagt Benzel. Immerhin habe er nun aber sechs Spielerinnen für zwei Jahre an den Verein binden können.

Kurze Laufzeiten bei den Kontrakten sind aber nicht immer allein von der Spielerseite gewünscht, erklärt Bestensees Spielermanager Westphal: »In unserem Segment kann man interessante Spieler nicht immer live scouten. Manche spielen in kleinen internationalen Ligen oder noch am College in den USA. Man muss sich auf Videomaterial verlassen und weiß nie so genau, was man bekommt.« Also schließen auch Vereinsmanager wie er erst einmal lieber Verträge quasi für ein Probejahr ab, um dann später zu verlängern, wenn alles gut läuft. Nur beißt sich genau dann wieder die Katze in den Schwanz: »Je besser die Spieler bei uns sind, desto höher wird das Interesse von anderen Vereinen an ihnen«, weiß Westphal – und die Netzhoppers können dann im Gehaltspoker nur selten mithalten.

Dennoch haben Erfolge wie die Pokalfinalteilnahme 2021 den Klub auch attraktiver gemacht. Auf den freien Trainerposten hätten sich nach dem Abgang des erfolgreichen Belgiers Christophe Achten sehr viele gute Trainer aus dem In- und Ausland gemeldet. Schließlich verpflichtete Westphal den Polen Tomasz Wasilkowski, der beim deutschen Meister BR Volleys schon als Co-Trainer Erfolge gefeiert hat. Auch in den Verhandlungen mit den Spielern sei es mittlerweile einfacher geworden. »Die sehen, dass wir im Pokalfinale standen, und schließen daraus, dass wir eine gute Truppe und ein gutes Umfeld haben. Dann einigt man sich doch schneller mal, wenn die Gehaltsvorstellungen vorher weiter auseinandergelegen haben«, hat Westphal festgestellt.

Am Ende sei es aber eine alljährliche Herausforderung, »immer wieder zu beweisen, dass wir eine gute Mannschaft zusammenstellen können. Wir nehmen das als Aufgabe«, meint der 35-Jährige. Schon den dritten Sommer in Serie musste KW-Bestensee die Hälfte der Mannschaft neu besetzen. »Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, bräuchten wir mehr Geld«, sagt Westphal.

Das aber käme wohl nur bei kontinuierlichem Erfolg, der wiederum mehr und noch potentere Sponsoren anlocken würde. Doch zunächst einmal sind die Netzhoppers erleichtert, das Gröbste der Corona-Pandemie hinter sich zu wissen, ohne wie andere Bundesligavereine in den vergangenen zwei Jahren in die Insolvenz getrieben worden zu sein. »Es war ein Überlebenskampf, in dem wir gut gewirtschaftet und nicht zu hohe Ausgaben getätigt haben. Von daher sind wir sehr optimistisch, dass wir weiter Bundesliga-Volleyball bieten werden. Unser Blick geht jetzt ganz klar nach vorn«, sagt Westphal.

Der Verein hat einen neuen Namenssponsor und ein Budget in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Da manche Gegner ihre Etats aber ausbauen konnten, könnte die Stabilität letztlich doch einem Rückschritt gleichkommen. An diesem Mittwoch treffen Westphal und Co. auf die United Volleys aus Frankfurt. Es wird nicht nur das Revanche-Spiel gegen den Sieger jenes Pokalfinals im Februar, sondern auch ein Wiedersehen mit dem alten Trainer Achten, der zudem drei Spieler an den Main mitgenommen hat.

Und gegen wen müssen die Potsdamerinnen ran? Bei all den Parallelen war es nur folgerichtig, dass die Brandenburgerinnen nach Schwerin müssen. Auch hier gibt es also ein Wiedersehen mit ehemaligen Leistungsträgerinnen. Man kann es auch so sehen: Es gibt kaum eine bessere Gelegenheit zu beweisen, dass man sich trotz allem verbessert hat.

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