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  • Gewalt gegen Obdachlose in Berlin

Brandanschlag auf obdachlose Menschen

Unbekannte Täter steckten Zelte und provisorische Behausungen am Berliner Ostbahnhof an

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.
Beamte der Kriminalpolizei sichern unter einer Brücke am Ostbahnhof Spuren.
Beamte der Kriminalpolizei sichern unter einer Brücke am Ostbahnhof Spuren.

Unbekannte haben am Sonntagabend ein Obdachlosencamp am Ostbahnhof in Berlin-Friedrichshain in Brand gesteckt. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam mitteilten, sei der Anschlag gegen 22 Uhr erfolgt. Fünf Menschen im Alter von 24 bis 52 Jahren, die im Schutz der Bahnunterführung in der Koppenstraße teils in Kleinzelten schliefen, hätten sich mit viel Glück rechtzeitig ins Freie retten können. Alarmierte Feuerwehrkräfte hätten die Flammen gelöscht, doch ein Teilbereich der Lagerstätte sei vollständig abgebrannt. Verletzt wurde niemand. Die 5. Mordkommission habe die weiteren Ermittlungen übernommen, »zu denen zum jetzigen Zeitpunkt keine belastbaren Hinweise auf eine politisch motivierte Tat vorliegen«.

Laut Feuerwehr habe eine Fläche von 20 Quadratmetern in Flammen gestanden. Wegen des Brandes sei der Bahnverkehr zeitweise beeinträchtigt gewesen. Am Vormittag liegt beißender Brandgeruch in der Luft, Bürgersteig, Wände und die Betondecke der Unterführung sind rußgeschwärzt. Zwei der Campbewohner halten dennoch aus. Manuela, eine Rollifahrerin, die seit 18 Jahren auf der Platte lebt, wie sie sagt, und ihr Gefährte René wirken geschockt. Der Platz am Ostbahnhof schien ihnen so sicher. Obwohl anders als an den Vorabenden kein einziger Reisebus in der Unterführung geparkt habe, hätten sie die Täter nicht bemerkt. Jetzt haben sie Angst, hier weiter zu übernachten. Nur tagsüber wollen sie hier noch Schutz vor der Kälte suchen, das haben sie auch der Polizei gesagt.

In einer ersten Reaktion zeigte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Antja Kapek, entsetzt. Auf Twitter schrieb die Grünen-Politikerin zu dem Anschlag: »Diese verabscheuenswürdige und menschenverachtende Tat macht mich fassungslos. Ein Glück, dass Niemand verletzt wurde. Alleine der Versuch ist dennoch kriminell.« Sie wünsche sich ein Miteinander statt Hass und Wut, so Kapek.

Es ist nicht der erste Brandanschlag auf obdachlose Menschen in Berlin. Bereits mehrfach gab es solche Attacken in den vergangenen Jahren. In einem Fall wurde ein Täter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

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