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  • Rassismus in der NFL

NFL-Trainer tritt wegen rassistischer Mails zurück

Jon Gruden, Footballcoach in Las Vegas, äußerte sich abfällig über Schwarze, Schwule und Frauen. Die Liga ließ ihn jahrelang gewähren

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.
Jon Gruden gewann 2002 den Super Bowl. Es dürfte wohl sein letzter großer Titel bleiben.
Jon Gruden gewann 2002 den Super Bowl. Es dürfte wohl sein letzter großer Titel bleiben.

Ein schwarzer Gewerkschaftsfunktionär habe Lippen so groß wie Michelin-Reifen. Der Ligachef sei eine Schwuchtel. Schiedsrichterinnen seien keine gute Idee und Nacktfotos von Cheerleaderinnen schickt man schon mal an die Kumpels. Jon Gruden hat wirklich die ganze Palette drauf: Rassismus, Homophobie, Sexismus. Ein Footballteam trainieren konnte er auch mal ganz gut, doch damit ist es nun vorbei. Nachdem zunächst das »Wall Street Journal« Ende vergangener Woche diskriminierende Mails von Gruden veröffentlicht hatte und später die »New York Times« nachlegte, trat er am Montag als Coach der Las Vegas Raiders zurück.

Wie immer war der Aufschrei groß, schließlich ist kaum eine Liga seit der Causa des knienden Colin Kaepernick so sehr ins Zentrum der US-Politik gerückt worden wie die National Football League (NFL). Für rechte Kommentatoren sind Grudens Aussagen, die er seit 2011 – noch als TV-Kommentator tätig – über Jahre hinweg in privaten Chats mit dem damaligen Eigner des Washington Football Teams, Bruce Allen, tätigte, nur harmloses Jungs-Gequatsche, das niemandem schade. Ganz im Gegenteil zu Spielern, die Frauen schlagen würden. »Deshaun Watson wird vorgeworfen, 24 Frauen missbraucht zu haben. Der dürfte in der NFL noch spielen. Jon Gruden aber wird für Jahre alte Mails zum Rücktritt gezwungen. Taten waren einst wichtiger als Worte. Jetzt ist es andersherum«, twitterte der konservative Journalist Clay Travis.

Die Mehrheit aber heißt Grudens Abgang gut. Zudem verweisen sie darauf, dass dessen Entschuldigung, es stecke »kein Streifen Rassismus« in ihm, nicht glaubhaft sei. Für den ehemaligen NFL-Profi Emmanuel Acho steht fest: »Er hat eindeutig rassistische Dinge gesagt. Sein Statement zeigt, dass er nicht mal realisiert hat, etwas Falsches getan zu haben. Er hat sich also immer noch nicht damit auseinandergesetzt.«

Das eigentlich Verwerfliche für viele ist jedoch, wie lange Trainer, Eigner und Kommentatoren wie Gruden und Allen in der NFL ungeschoren walten können, obwohl ihre verwerflichen Einstellungen bekannt sind. Kaepernick hingegen wurde für seinen Hymnenprotest schnell ausgegrenzt.

Bezeichnend ist auch, dass die Mails bei einer Überprüfung des Washingtoner Teams eher zufällig auffielen, und dann auch erst von Medien veröffentlicht wurden. Weder die NFL noch die Raiders hatten sie publik gemacht, obwohl sie als erste von den Mails erfahren hatten. Gruden wurde nicht entlassen, stand stattdessen am Sonntag noch an der Seitenlinie. Einen Tag später trat er dann selbst zurück. Er wolle keine Ablenkung sein, schrieb er zur Begründung. Dass er Fehler gemacht habe, stand noch in keinem seiner Statements.

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