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Coffeeshop-Kette ohne Zahlungsmoral

Die Firma Scoom hat mehreren Angestellten monatelang kein Gehalt überwiesen

  • Von Olivier David
  • Lesedauer: 3 Min.
Coffeeshops bieten ihren Kund*innen ein gemütliches Ambiente, doch wer dort arbeitet ist oft unterbezahlt - oder bekommt monatelang gar keinen Lohn.
Coffeeshops bieten ihren Kund*innen ein gemütliches Ambiente, doch wer dort arbeitet ist oft unterbezahlt - oder bekommt monatelang gar keinen Lohn.

Eine Firma, die die Gehälter mancher Mitarbeiter*innen nicht zahlt – oder erst, wenn es vor Gericht geht. Angestellte, die sich nicht wehren können und sich nicht trauen zu kündigen – vermutlich aus Angst vor einer Sperre des Jobcenters. Was wie ein Albtraum klingt, scheint für einige Mitarbeiter*innen der Scoom GmbH in Hamburg längst Realität zu sein.

Die Firma Scoom GmbH betreibt laut der firmeneigenen Webseite 18 Coffeeshops. Zu ihrem Sortiment gehören belegte Bagels, Getränke, Snacks. Zu finden sind die Läden in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt und dort vor allem an größeren Bahnhöfen, in Einkaufspassagen oder an Flughäfen. Während Scoom auf Instagram mit »Gratis-Kaffee für Systemhelden« wirbt, ist die Realität hinter der Theke eine andere. »Brötchen-Schmiererin kämpft ums Überleben« titelte die Bild-Zeitung im Januar dieses Jahres, und tatsächlich scheint an den im Artikel erhobenen Vorwürfen etwas dran zu sein. Dem »nd« liegen die Dokumente von vier Mitarbeiter*innen aus Hamburg vor, aus denen hervorgeht, dass Scoom über Monate keine Gehälter ausgezahlt hat. Die augenscheinliche Masche: Scoom zahlt erst, wenn die Einforderungen des ausgebliebenen Gehalts vor Gericht gehen. Bis es überhaupt soweit kommt, warten einzelne Mitarbeiter*innen teilweise mehrere Monate auf ihr Geld. In mehreren Fällen kam es zu Vergleichen, in deren Folge Scoom einbehaltene Gehälter in Höhe von mehreren Tausend Euro nachzahlen musste.

Der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind mehrere dieser Fälle aus Hamburg und München bekannt. Gewerkschafter Jonas Bohl glaubt ein System hinter den ausbleibenden Gehältern ausmachen zu können. »Die Angst vor einer Sperre und den Fall in Hartz IV ist so groß, dass dort viele lieber weiterarbeiten – selbst zeitweilig ohne Lohn«, sagt er. Sein Eindruck sei, dass die Firma Scoom die Chancen nutze, »die sich daraus ergeben, dass viele Arbeitnehmer*innen kein oder nur wenig Deutsch können«. Die NGG-Gewerkschaftssekretärin Anne Widder ergänzt: »Geltendmachungen gegenüber Scoom zeigen in der Regel keine Wirkung. Wir klagen die Gehälter unserer Mitglieder*innen ein und Scoom bezahlt dann oft kurz vor dem Gerichtsprozess. Danach geht es aber meist weiter wie bisher.«

Gerne hätten wir Scoom zu den Vorwürfen zu Wort kommen lassen, eine Anfrage des »nd« blieb allerdings unbeantwortet. Auf Nachfrage heißt es beim Arbeitsgericht Hamburg, »dass es im Zeitabschnitt 2020/2021 diverse Fälle in Bezug auf die genannte Firma gab beziehungsweise noch gibt«.

Geschäftsführer der Scoom GmbH sowie weiterer Unternehmen wie Cuccis und Mishba Food ist Norbert von Allwörden, Spross der Bäckersfamilie von Allwörden. Der Name ist für Anne Widder von der Gewerkschaft NGG kein unbekannter. Sie sagt: »Deren eigene Läden sind tarifgebunden, ein großer Anteil der Allwörden-Geschäfte sind allerdings Franchises ohne Tarifbindung. Das ist ein für uns nicht durchschaubarer Wildwuchs.«

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