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Ohne kritische Aufarbeitung

Der Ruf nach Schaffung eines Pandemierats sollte gehört werden

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 1 Min.

Jens Spahn möchte die Corona-Epidemie Ende November abhaken, obwohl die vierte Welle vermutlich noch gar nicht richtig begonnen hat. Kurz vor seinem Abgang als Bundesgesundheitsminister würde er gerne in die Annalen eingehen als der Politiker, der den Kampf gegen das Virus an zentraler Stelle erst aufgenommen und es dann letztendlich besiegt hat.

Doch eigentlich wäre es in der Phase des Regierungswechsels an der Zeit, den Umgang mit Corona kritisch aufzuarbeiten. Sicher wurde vieles richtig gemacht, doch auch vieles falsch. Vor allem hat Sars-CoV-2 strukturelle Schwachstellen bei der Pandemiebekämpfung deutlich werden lassen. Das Robert-Koch-Institut war mit seiner neuen Rolle überfordert, die Politik entschied oft selbstherrlich, teils von Land zu Land anders. Fachliche Expertise spielte nur am Rande eine Rolle. Letztlich wurde die Wissenschaft auf Talkshow-Niveau abgeflacht und politisiert, statt die Corona-Politik auf wissenschaftliche Grundlagen zu stellen.

Und so wäre die vielfach geforderte Schaffung eines Pandemierates mit Virologen und Epidemiologen, Sozialwissenschaftlern und Psychologen, der bei solchen Ereignissen Konzepte erarbeitet, sicher eine geeignete Reaktion. Doch die Politik scheint nur noch den richtigen Termin für den »Freedom Day« zu suchen, um Corona dann endgültig abzuhaken.

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