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Linke-Politiker mit AfD-Unterstellung

Wer hat Sören Benn zum neuen Bürgermeister von Berlin-Pankow gewählt?

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn (Die Linke)
Der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn (Die Linke)

Vor fünf Jahren war es schon eine kleine Sensation, dass die Linke in Berlin-Pankow hauchdünn stärkste Kraft und Sören Benn Bezirksbürgermeister wurde. Nun ist die Sensation um so größer, dass er im Amt bleiben kann, obwohl die Sozialisten bei der Wahl Ende September fünf Prozentpunkte schlechter als die Grünen abschnitten.

Doch ein Makel liegt über dem Ergebnis vom Donnerstagabend. Die AfD behauptet, in der geheimen Wahl für Benn gestimmt zu haben. Die gedemütigten Grünen greifen das auf und vergleichen die Lage mit jener in Thüringen im vorigen Jahr, als der FDP-Politiker Thomas Kemmerich Ministerpräsident von Gnaden der Rechtsextremen wurde.
»Wer Nazis glaubt, glaubt Nazis«, entgegnet Benn.

Der 53-Jährige hat in den fünf Jahren als Pankower Bürgermeister eine gute Figur gemacht. Er räumte so manchen schwerwiegenden Disput in der Stadtentwicklung im Bezirk ab, den der eigentlich zuständige Stadtrat von den Grünen nicht zu lösen im Stande war. Gleichzeitig machte er sich auch in der stadtpolitischen Debatte um die lange überfällige Verwaltungsreform sowohl im Zusammenspiel zwischen Bezirken und Senat als auch in der internen Organisation der Bezirke selber einen Namen.

Ein Erfolg der Reformbemühungen ist, dass die Bezirksbürgermeister einheitlich nun für Personal und Finanzen zuständig sind, was ihnen mehr Einfluss als bisher sichert. Deswegen wurde der Kampf um den Spitzenposten diesmal auch etwas härter geführt als bisher.

Von Härte ist das öffentliche Bild von Sören Benn eigentlich nicht geprägt. Schließlich wirkt er ein bisschen wie ein Teddybär, freundlich, stets mit einem offenen Ohr. Von seinen Mitarbeitern verlangt er viel. Die finden das nicht schlecht, aber öfter loben, wenn sie etwas gut gemacht haben, könnte er schon, heißt es.

Der Lebenslauf des gebürtigen Kyritzers, der drei Kinder hat, ist kunterbunt. Nach seiner Ausbildung zum Baufacharbeiter in Potsdam zog er 1990 nach Berlin und studierte Erziehungswissenschaften. Zu DDR-Zeiten engagierte er sich in der Umwelt- und Friedensbewegung in der Evangelischen Kirche. Im Jahr 2000 trat er in die PDS ein, wurde später Referent prominenter Linkspolitiker. Nicolas Šustr

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