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Hart am Thema Qualität

Noch-Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht Berlins Schulen im Ländervergleich auf einem guten Weg

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 5 Min.
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat schon vor Längerem verkündet, für eine weitere Legislatur nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat schon vor Längerem verkündet, für eine weitere Legislatur nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Auf den letzten Metern gönnt sich Berlins scheidende Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch einmal ein wenig Selbstlob. »Wir haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, die Qualität der Bildung weiter zu verbessern«, sagt Scheeres am Montag bei einer Zwischenbilanz des vor gut einem Jahr von ihr eingesetzten Beirats »zur Steigerung der Qualität von Bildung und Unterricht in Berlin«.

Der im Wesentlichen mit Wissenschaftlern und Mitarbeitern der Senatsbildungsverwaltung besetzte Qualitätsbeirat geht auf eine Empfehlung einer Expertenkommission zurück, die dem Berliner Schulsystem im Herbst 2020 in seinem Abschlussbericht ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis ausgestellt hatte. Das Grundproblem ist bekannt: Kein anderes Bundesland pumpt pro Schüler so viel Geld ins System wie Berlin - trotzdem findet sich die Hauptstadt in Ländervergleichen zu Lernerfolgen verlässlich auf einem der hintersten Plätze. »Wenn wir uns die Länderrankings anschauen, sind wir natürlich nicht zufrieden. Deshalb ist es wichtig, dass wir hart an dem Thema arbeiten«, sagt Scheeres.

Zugleich verweist sie darauf, dass Berlin Fortschritte mache. Etwa im Bereich Mathematikförderung, wo »eine Qualitätsoffensive auf den Weg gebracht worden« ist. Und was die Digitalisierung betrifft, sei es »kein Geheimnis, dass die Pandemie uns hier noch einmal einen richtigen Schub gegeben hat«, so die SPD-Politikerin. Tablets für die Schüler, Laptops für die Lehrkräfte, Mobilfunk-Router für die vielen Schulen ohne leistungsstarke Internetanbindungen: »Wir sind ein Riesenbeschaffungsunternehmen. Wir beschaffen die ganze Zeit unterschiedlichste Dinge. Wichtig war uns trotzdem weiterzukommen, was die Qualität angeht.« Wobei es Scheeres bei der Gelegenheit nicht versäumte, auf den »sehr konstruktiven Prozess mit dem Qualitätsbeirat« zu verweisen. Denn um den ging es ja bei dem Termin.

Das Gremium hat sich seit Januar zu insgesamt sieben Beratungen zusammengefunden und mehrfach »ausführliche Stellungnahmen« zu bestimmten Fragen erarbeitet, berichtet an Scheeres’ Seite Beiratsmitglied Norbert Maritzen. Der langjährige Direktor des Hamburger Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung nennt in diesem Zusammenhang eine Empfehlung für die verpflichtenden Lernstandserhebungen am Anfang des Schuljahrs, die von der Bildungsverwaltung auch umgesetzt wurde. »Damit macht man sich als Senatorin in Teilen der Belegschaft ja nicht unbedingt Freunde«, sagt Maritzen. Zudem habe man eine Stellungnahme zur Abschaffung der Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) abgegeben - ein Projekt, das Scheeres im Senat zwar durchwinken konnte, das dann aber im Abgeordnetenhaus nicht zuletzt am Widerstand der Linksfraktion gescheitert war. »Mal gucken, vielleicht tut sich da ja jetzt noch was«, frohlockt Scheeres nun mit Blick auf die laufenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und Linkspartei.

Zustimmung zur Arbeit des Qualitätsbeirats kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) und den Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). So heißt es vom Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, Jan Eder: »Die von Senatorin Scheeres vorgestellte Zusammenfassung von Maßnahmen und Steuerungsinstrumenten für eine Qualitätsoffensive im Bildungsbereich verfolgen den richtigen Ansatz.« Ähnlich äußert sich UVB-Chef Christian Amsinck, der zugleich aber auch betont, dass Berlin bei der Digitalisierung der Schule »viel schneller vorankommen« müsse als bisher.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kann der vorgestellten Zwischenbilanz des Qualitätsbeirats dagegen weitaus weniger abgewinnen. Schon im vergangenen Jahr hatte die GEW kritisiert, dass im Beirat sowohl die Vertreterinnen und Vertreter der Beschäftigten als auch die der Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern fehlen. Zu dieser Kritik stehe man auch heute noch, sagt Berlins GEW-Chef Tom Erdmann zu »nd«. Der Gewerkschafter verweist in dieser Hinsicht nur auf die von der Bildungsverwaltung durchgesetzte Pflicht zu Lernstandserhebungen. »Das Problem ist, dass diese Erhebungen als Aufgabe für die Beschäftigten on top kommen. Die Kolleginnen und Kollegen machen das dann, weil sie es machen müssen«, bestätigt der Gewerkschafter gegenüber »nd« den Eindruck von Beiratsmitglied Norbert Maritzen. Davon abgesehen, sagt Erdmann: »Der Zeitpunkt der Zwischenbilanz des Qualitätsbeirats stimmt mich sehr misstrauisch, als wenn damit die Koalitionsverhandlungen beeinflusst werden sollen.«

Aus ebendiesen ist derweil in Sachen Bildungspolitik fast nichts zu hören. Die rot-grün-rote Verhandlungsrunde hat Stillschweigen verabredet und alle Seiten halten sich bislang eisern daran. Eigentlich sollten entsprechende Ergebnisse bereits am Samstag präsentiert werden. Das ist nun noch einmal nach hinten gerutscht. Zu groß war offenkundig der Gesprächsbedarf der Dachverhandlungsgruppe zu den Themen Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnen.

Als gesichert kann bislang nur gelten, dass die von Scheeres seit Langem geforderte und von der SPD- und Grünen-Spitze inzwischen unterstützte Wiedereinführung der Verbeamtung der Lehrkräfte Teil des künftigen Koalitionspapiers sein wird - zum Leidwesen der Gewerkschaft, die das gern verhindert hätte. Auch GEW-Chef Tom Erdmann sagt: »Ich kenne niemanden, der glaubt, dass an der Rückkehr der Verbeamtung noch gerüttelt wird.« Auf einem anderen Blatt stehe, »ob es die im Sondierungspapier versprochene Kompensation geben wird für die rund 9000 Berliner Lehrkräfte, die die persönlichen oder laufbahnrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllen, um verbeamtet zu werden«.

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