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Impfpflicht - ja oder nein?

Dr. Schmidt erklärt die Welt: Unentschlossene könnte eine Impfpflicht bewegen

  • Von Christof Meueler, Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Wie wirkt Cannabis in einem Menschen?

Die große Frage dieser Tage: Soll man gegen Corona eine Impfpflicht einführen oder nicht? Was würde das bringen?

Die Impfquote würde mit Sicherheit erhöht werden. Weil viele Leute, die sich bisher nicht haben impfen lassen, dann sagen: Jetzt ist Klarheit geschaffen, und dann machen wir das eben.

Menschen, die das nicht so sehen, werden irgendeinen Weg finden. So war es schon in der DDR, wo es etliche Pflichtimpfungen gab. Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand mit einer Strafe belangt worden ist. Die Durchimpfungsquote war in der DDR um einiges höher als in der BRD: Einige Impfungen erreichten 90 Prozent, in der BRD ungefähr die Hälfte.

Ich kann mich noch an die Schluckimpfung in der Grundschule in der BRD der 70er Jahre erinnern.

Die gab es in der DDR sogar schon eher. Die war gegen Kinderlähmung. Die ist extrem ansteckend und bei Weitem gefährlicher als unser aktueller Virus. Wenn wir es nicht neben logistischen Problemen auch mit einem nennenswerten Anteil an religiös begründeter Impfgegnerschaft in einigen islamischen Ländern zu tun hätten, wären wir dieses Virus vielleicht schon los.

Wie das Pockenvirus.

Ja, das ist das einzige, das durch Impfungen ausgerottet wurde. Das war ja die erste und lange Zeit auch die einzige Impfung, die es gab. Interessanterweise als Pflichtimpfung eingeführt in Bayern schon 1807 und dann 1874 vom Kaiser für das Deutsche Reich. Nach längerer Diskussion im Reichstag, wo auch schon Argumente gegen Impfungen vorgebracht wurden.

Da kommt dann oft die Kritik an der Schulmedizin.

Die versucht seit gut 150 Jahren mit wissenschaftlichen Methoden zu heilen. Genau genommen müsste man die Alternativmedizinkonzepte Schulmedizin nennen, denn die richten sich nicht nach überprüfbaren Erkenntnissen, sondern nach den Ansagen der großen Lehrer, und bilden so Schulen.

Die sogenannte Alternativmedizin war bei den Nazis sehr beliebt.

Julius Streicher, der Herausgeber des Hetzblattes »Stürmer«, behauptete, dass die Impfungen von den Juden als »Rassenschande« in die Welt gesetzt worden seien. Es gab auch einen Impfgegner-Ärztebund, der eine ähnliche These verbreitete.

Auch heute ist es nicht weit von der Idee, den Körper »rein« zu halten, zur Reinhaltung des sogenannten Volkskörpers.

Impfen gilt manchen als eine dubiose Fremdeinwirkung. Allerdings braucht man für solche Vorstellungen keine Nazis, das kriegt man mit vielen anderen Lehren genauso auf die Reihe: etwa mit Anthroposophie oder - wie gerade zu beobachten - bei Calvinisten in den Niederlanden.

Bist du jetzt für oder gegen eine Impfpflicht?

Wenn sie helfen würde, wäre ich dafür. Das bisherige Organisationschaos lässt mich aber zweifeln.

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