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Schlechte Klimabilanz für Steak und Joghurt

Europäische Fleisch- und Milchkonzerne stoßen durch steigende Exporte immer mehr Treibhausgase aus

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.
Steigende Exporte verhindern die Senkung von CO2-Emissionen in der Fleischbranche. Über Reduktion mag man dort trotzdem nicht nachdenken.
Steigende Exporte verhindern die Senkung von CO2-Emissionen in der Fleischbranche. Über Reduktion mag man dort trotzdem nicht nachdenken.

Der Klima-Fußabdruck der großen Fleisch- und Molkereikonzerne in Europa stehe in Konkurrenz zu den Giganten der fossilen Brennstoffe, sagt Shefali Sherma und beklagt: »Und doch operieren sie ungestraft.« Die Europadirektorin des Instituts für Landwirtschafts- und Handelspolitik (IATP) wirft den Unternehmen in der am Montag veröffentlichten Studie »Emissions Impossible Europe: How Europe’s Big Meat and Dairy are heating up the planet« vor, den Beitrag der Branche zum Klimawandel zu »verschleiern« statt Emissionen zu reduzieren. Die wenigen Unternehmen, die überhaupt Klimapläne hätten, verließen sich auf Buchhaltungstricks, Greenwashing und dubiose Kompensationen, um von den grundlegenden Veränderungen abzulenken, die zur Senkung der Emissionen notwendig seien, während sie viele der Kosten und Risiken auf die Landwirt*innen in ihren Lieferketten abwälzten.

Für die Studie nahm das IATP die 20 größten Fleisch- und Milchkonzerne genauer unter die Lupe. Aus Deutschland gehören Tönnies, Deutsches Milchkontor DMK, Westfleisch und die Müller Gruppe dazu. Insgesamt verursachten die 20 größten Konzerne in Europa im Jahr 2020 knapp 244 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente - dies entsprach mehr als einem Viertel der Treibhausgasemissionen Deutschlands. Emissionstreibend wirkt laut Studie vor allem die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten: Die Exporte stiegen laut der Studie zwischen 2005 und 2018 teils deutlich an. Bei Geflügelfleisch betrug der Zuwachs 93 Prozent, bei Schweinefleisch 58 Prozent und bei Milchprodukten 45 Prozent. Die rückläufige Binnennachfrage in der EU wirke sich daher nur begrenzt auf die Senkung der Emissionen aus.

Nur zehn der 20 Unternehmen hätten Klimaziele verkündet, einige wenige hätten Klimaneutralitätspläne vorgelegt - aus Deutschland ist laut der Studie keines darunter. Lediglich vier der untersuchten Konzerne hätten die Emissionen entlang der gesamten Lieferkette im Blick. Nur drei - Nestlé, FrieslandCampina und ABP - verpflichten sich demnach zu einer Reduzierung der Emissionen, die durch die Tierhaltung entstehen. Zu einer Reduktion der Viehbestände erklärte sich keines der untersuchten Unternehmen bereit - dort entstehen laut IATP jedoch 90 Prozent der Emissionen.

Da die Regierungen keine rechenschaftspflichtigen Regulierungssysteme einführten, gäbe es zwar freiwillige Initiativen. »Die sich daraus ergebenden Ziele sind im besten Fall nicht nachvollziehbar, da es an klaren und harmonisierten Indikatoren sowie an einer soliden Überprüfung durch Dritte fehlt«, heißt es jedoch in der Studie.

So legten Unternehmen etwa den Schwerpunkt auf eine Emissionssenkung pro Kilogramm Fleisch oder Liter Milch - dies werde durch das »schiere Wachstum« ihrer Produktion aber »aufgefressen«. Beispielsweise habe der Fleischkonzern Tönnies seine Produktion um 30 Prozent erhöht. Die auf seiner Webseite genannten Ziele zur Einsparung der CO2-Emmissionen im Straßenverkehr auf 50 Prozent bis 2030 seien nicht überprüfbar und zudem »ziemlich unzureichend, wenn man sich nicht zu einer Gesamtreduzierung der Emissionen des Unternehmens verpflichtet«, so Sharma. »Tönnies meldet seine Emissionen nicht, so dass es keine Möglichkeit gibt, irgendwelche Klimaziele zu überprüfen«, sagte Sharma auf Nachfrage. Die meisten der genannten Klimaziele beträfen die Lieferkette, also letztlich die Landwirt*innen.

Die Konzerne versprächen außerdem Entwicklung und Einsatz von CO2-Kompensationen auf Acker- und Grünland, doch auch dies müssten hauptsächlich die Landwirt*innen umsetzen. Die Kompensationen basierten also auf vagen Versprechungen, anderswo Emissionen einzusparen, statt sie tatsächlich selbst zu reduzieren. Ihr Fazit: »Die großen Fleisch- und Milchkonzerne in der EU, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich entwickeln sich in die falsche Richtung.«

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