»Colston ist kein Repräsentant von Bristol«

Nach Denkmalsturz von Sklavenhändler: Demonstrant*innen wurden freigesprochen

  • Ulrike Wagener
  • Lesedauer: 2 Min.
Black Lives Matter: »Colston ist kein Repräsentant von Bristol«

Bristol. »Eines wissen wir jetzt: Colston ist kein Repräsentant von Bristol«, sagte Rhian Graham nach dem Gerichtsurteil am Mittwochabend euphorisch. Sie und drei andere Demonstrant*innen, die am Rande der »Black Lives Matter«-Demonstrationen 2020 eine Statue des Sklavenhändlers Edward Colston umgekippt, weggerollt und ins nahe gelegene Hafenbecken geworfen hatten, wurden von der Anklage der kriminellen Sachbeschädigung freigesprochen.

Graham – gekleidet in einem T-Shirt, dass der aus Bristol kommende Künstler Banksy zur Unterstützung der Angeklagten entworfen hatte – dankte den Tausenden Menschen, die während der »Black-Lives-Matter«-Demonstrationen »im Namen der Gleichheit« demonstriert hatten. Den Prozess bezeichnete eine Beobachterin als »reine Geldverschwendung«. »Die Menschen in Bristol haben diese Statue nie gewollt«, sagte sie dem Fernsehsender »Sky News«. Ähnlich sah das Raj Chada, der Anwalt des Angeklagten Jake Skuse: »Es ist eine Schande, dass die Stadtverwaltung von Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston nicht entfernt hat und ebenso beschämend, dass sie dann die Strafverfolgung unterstützt hat.«

Edward Colston (1636-1721) ist durch den atlantischen Sklavenhandel reich geworden. Der britische Kaufmann und Abgeordnete der Tory-Partei soll rund 100 000 Menschen aus dem westlichen Afrika als Sklav*innen in die Karibik und die Amerikas verkauft haben, an die 20 000 starben bei der Überfahrt. In seiner Heimat hatte Colston trotzdem lange den Ruf als Philanthrop, weil er sein Geld in Krankenhäuser, Schulen und Armenhäuser investierte.

Der Sturz seiner Statue im Juni 2020 wurde bejubelt. In der Folge wurde sie von der Stadt aus dem Hafenbecken gefischt und in einer Ausstellung gezeigt. Weitere Statuen, die mit der Sklaverei in Verbindung stehen, wurden von britischen Behörden entfernt. Weltweit gab es ähnliche Protestaktionen gegen Denkmäler, die Kolonialisten und Sklavenhändler ehren.

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