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Männerwirtschaft

Ulrike Wagener über gestiegene Frauenquote in Dax-Konzernen

  • Von Ulrike Wagener
  • Lesedauer: 2 Min.
Etwa so sehen viele Führungsetagen in Deutschland aus.
Etwa so sehen viele Führungsetagen in Deutschland aus.

Was ist nun die eigentliche Nachricht: A) Dass die Frauenquote in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY auf einem Höchststand ist (13,4 Prozent) – juhu? Oder B) dass in über der Hälfte dieser Unternehmen immer noch keine einzige Frau sitzt – buh? Übersetzt heißen beide Nachrichten das Gleiche: Unternehmerische Entscheidungen werden in Deutschland zum überwiegenden Teil von Männern getroffen: 87 Prozent bei Variante A beziehungsweise 100 Prozent bei Variante B. Das bedeutetet: »Unsere Wirtschaft«, oft so beschworen, wird von Männern gemanagt.

Nun kann man einwenden, dass es im Kapitalismus keine Rolle spielt, ob die Ausbeutung von Männern, Frauen oder nicht-binären Personen ausgeübt wird. Doch da so bald nicht von einer Revolution auszugehen ist, sind wir auf die kleinen Schritte angewiesen. Und in der Praxis kann es durchaus einen Mehrwert haben, wenn Frauen in der Leitung sitzen.
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Zu hoffen wäre jedoch, dass es langfristig zu positiven Veränderungen kommt, wenn nicht mehr ausschließlich Männer über die Firmenkultur entscheiden. Mehr Frauen in leitenden Funktionen können dazu beitragen (und haben es auch schon), dass sexualisierte Gewalt und Übergriffe am Arbeitsplatz Konsequenzen haben und dass Unternehmen familienfreundlicher werden, flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten und mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen. Das könnte bessere Arbeitsplätze für alle zur Folge haben – sogar Männer würden davon profitieren.

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Die eigentliche Nachricht ist also, dass die Geschlechterungleichheit in deutschen Führungsetagen anhaltend hoch ist. Und das ist schlecht. Denn so viel ist sicher: Mit einer Männerquote von 100 Prozent in Dax-Vorständen wird sich gar nichts verändern.

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