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Ungewissheiten im Klassenzimmer

Landeselternausschuss und Linksfraktion fordern Ausweitung der Testpflicht an Berlins Schulen

  • Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Sicherheit durch möglichst viele Corona-Schnelltests verspricht die Senatsbildungsverwaltung Berlins Schulen für die erste Zeit nach den Winterferien. Und so gilt seit Montag für Schülerinnen und Schüler und die Beschäftigten eine tägliche Corona-Testpflicht. Mit Ausnahmen für Geimpfte und Genesene - und auch nur befristet auf zwei Wochen. Danach soll die Frequenz dann wieder auf drei Tests pro Woche heruntergeschraubt werden. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, hält das für eine ausgemacht schlechte Idee. »Jeder Tag, der zwischen den Testungen liegt, bringt in der aktuellen Situation für alle Beteiligten eine Ungewissheit mit sich«, sagt Heise am Dienstag zu »nd«.

Der Elternvertreter fordert daher, dass an den Schulen auch nach dem 21. Februar täglich getestet wird. »Schon aus Sicherheitsgründen«, denn: »Wir alle wissen, wie es um die Qualität der an den Berliner Schulen eingesetzten Tests steht«, so Heise mit Blick auf eine jüngst publizierte Auswertung des Paul-Ehrlich-Instituts. Wie berichtet, liefern die an den Schulen verteilten Tests nur bei sehr hoher Viruslast wirklich verlässliche Ergebnisse. Um die Aussagekraft der Reihentestungen nicht noch weiter zu schmälern, sollten sie wenigstens täglich durchgeführt werden.

Rückendeckung für die Forderung kommt aus der Linksfraktion. »Wenn die Kapazitäten da sind, finde ich es in dieser Hoch-Inzidenz-Phase sinnvoll, bis zu den Osterferien tägliche Tests durchzuführen«, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Franziska Brychcy, zu »nd«. Aktuell seien nach ihren Beobachtungen ohnehin noch genügend Tests in den Schulen vorhanden. Zusätzliche Beschaffungen sollten kein Problem sein. »Ich denke, dass wir das im Haushalt abbilden können«, so Brychcy.

Geht es nach Landeselternsprecher Norman Heise, sollten zudem geimpfte und genesene Schüler nicht länger von der Testpflicht ausgenommen werden, wie es bisher der Fall ist. »Schließlich wissen wir doch, dass auch Geimpfte und Genesene das Virus weitertragen können«, so Heise.

Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) hatte sich in dieser Sache am Montag faktisch für nicht zuständig erklärt. Man empfehle Geimpften und Genesenen die freiwillige Teilnahme an den Tests »natürlich dringend«, sagte Busse im RBB-Inforadio. Aber: »Ich selber kann jetzt diese Verpflichtung nicht einfach mal so aussprechen, da hängt viel dran.« Auch sei unklar, ob das Problem der Testabstinenz von Geimpften und Genesenen denn »so ins Gewicht fällt - ich glaube nicht«. Gut, findet Heise, wenn dem so sei, könne man es auch gleich verpflichtend machen: »Wir werden immer Personen haben, die sich an Appelle nicht halten halten.«

Derweil wird nach nd-Informationen die statistische Darstellung der Infektionsfälle an den Schulen verändert. Bislang hatte die Bildungsverwaltung in ihrer wöchentlichen Statistik nur mit PCR-Tests bestätigte Fälle ausgewiesen. Seit vergangener Woche werden PCR-Tests von Schülern von den Laboren aber gar nicht mehr zeitnah ausgewertet. Die ursprüngliche Basis der Statistik hat sich somit erledigt. Stattdessen soll künftig nun der Anteil der positiven Schnelltest-Ergebnisse an allen wöchentlich durchgeführten Tests ausgewiesen werden.

An einem solchen Modell hatte sich zuletzt bereits die Regierende Franziska Giffey (SPD) versucht und das Infektionsgeschehen niedriggerechnet. Linke-Politikerin Brychcy nennt die Vorgehensweise »aus wissenschaftlicher Sicht nicht valide«. Sollte dieses Modell zum Standard für die neue Schulstatistik werden, wäre das »katastrophal«, warnt auch Elternsprecher Heise. Offenbar zu spät: »Wir sind da in der finalen Abstimmung«, sagt ein Sprecher der Bildungsverwaltung zu »nd«.

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