Bergbaufolgen im Klimastress

HEISSE ZEITEN - Die Klimakolumne: Was der Kohleausstieg mit dem Grundwasser in der Lausitz und dem Pegel der Spree zu tun hat

  • Anke Herold
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit dem Kohleausstieg in der Lausitz wird ein bereits durch den Klimawandel wachsendes Problem für Berlin und Brandenburg immer offensichtlicher: die ausreichende Wasserversorgung. Die Grüne Liga hat gerade ein neues Übersichtspapier »Kohle.Wasser.Geld« veröffentlicht, welches die Probleme und Lösungsmöglichkeiten beschreibt.

Für den Abbau der Braunkohle in der Lausitz muss das Grundwasser großflächig abgesenkt und abgepumpt werden. Ein großer Teil des abgepumpten Wassers wurde und wird in die Flüsse eingeleitet, hauptsächlich in die Spree. Daher hingen in den vergangenen Jahrzehnten die Wassermengen der Spree in Berlin stark von den Wassermengen ab, die in der Lausitz zugeführt wurden. Etwa ein Viertel des abgepumpten Wassers verbrauchen die Kraftwerke als Kühlwasser.

Die abgepumpten Wassermengen erzeugen ein riesiges Grundwasserdefizit, das für die Lausitzer Tagebaue des Energieunternehmens LEAG auf circa sechs Milliarden Kubikmeter geschätzt wird. Mit dem Ende des Braunkohletagebaus dreht sich die Situation um: Es besteht dann ein riesiger Wasserbedarf, um das über Jahrzehnte angesammelte Grundwasserdefizit wieder aufzufüllen. Die Tagebauflächen werden in Tagebauseen umgewandelt. Diese künstlichen Seen verbrauchen über ihre Verdunstung mehr Wasser als die Landschaft vor dem Bergbau. Gleichzeitig werden künftig in der gesamten Region durch den Klimawandel deutlich weniger Niederschläge diese Defizite ausgleichen.

Nach dem Ende der Tagebaue und bis zur Auffüllung des Grundwasserdefizits wird es daher auf jeden Fall zu Engpässen bei den Wassermengen in der Spree kommen. Allerdings werden die Wasserprobleme umso größer, je später der Kohleausstieg erfolgt. Zum einen vergrößert ein längerer Tagebaubetrieb das aufzufüllende Grundwasserdefizit täglich weiter. Außerdem wächst die entnommene Kohlemenge, die Restlöcher werden größer, führen potenziell zu größeren Tagebauseen, deren größere Oberfläche mehr Wasser verdunstet. Und der voranschreitende Klimawandel verschärft das Problem zu einem späteren Zeitpunkt weiter.

Gleichzeitig heißt das Ende des Tagebaus nicht, dass dann plötzlich alle Grundwasserbrunnen und alle Pumpen sofort abgeschaltet werden. Das Problem ist steuerbar; ausgewählte Grundwasserbrunnen können auch nach dem Ende der Tagebaue weiter betrieben werden, um die Übergangszeit bis zur Auffüllung des Defizits zu überbrücken. Das abgepumpte Wasser kann dann ohne die Verluste aus den Kühltürmen in die Spree geleitet werden. Aber diese Situation braucht eine sorgfältige Planung. Außerdem sollten die Oberflächen der Tagebauseen möglichst klein sein, um weniger Wasser zu verdunsten. Dies kann man erreichen, wenn man die Restlöcher wieder mit Boden auffüllt. Auch diese Option muss weiter geprüft werden. Das Fluten einer möglichst großen Fläche ist zwar kurzfristig die billigste Lösung, da dann keine weiteren Erdmassen bewegt werden müssen. Aber eben keine nachhaltige Lösung für die Wasserversorgung.

Durch einen früheren Kohleausstieg kommt dieses Problem nun schneller auf die verantwortlichen Betreiber, Behörden und die Politik zu. Der Brandenburger Landtag hat die Landesregierung bereits im vergangenen Jahr zu einer Gesamtstrategie aufgefordert, die den temporären Weiterbetrieb ausgewählter Grundwasserbrunnen vorsieht und die Tagebauseen mit möglichst geringen Verdunstungsverlusten plant. Aber hier sind noch viele Probleme zu lösen, wie die Sitzung des Brandenburger Umweltausschusses in der vergangenen Woche gezeigt hat. Ein zusammenhängendes Denken und Modellieren der Situation zwischen den Ländern Brandenburg, Sachsen und Berlin fehle derzeit noch und solle nun dringend erarbeitet werden, hieß es.

Der Braunkohletagebau ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die langfristigen Probleme der fossilen Energien späteren Generationen überlassen werden. Die erneuerbare Energien Wind und Sonne haben keine solchen Langzeitfolgen. Wir erzeugen weder ein Sonnen- noch ein Winddefizit, wenn wir diese Energieformen nutzen, und beenden damit endlich diese Problemverschiebung zu Lasten künftiger Generationen.

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