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Historischer Fehler

Daniel Lücking ist gegen Waffenlieferungen in die Ukraine

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 3 Min.
Bei Demonstrationen gegen den Krieg gingen in den vergangenen Tagen Hunderttausende auf die Straßen.
Bei Demonstrationen gegen den Krieg gingen in den vergangenen Tagen Hunderttausende auf die Straßen.

Es mag herzlos wirken, die ukrainische Bevölkerung in ihrem Kampf gegen die russischen Truppen nicht militärisch unterstützen zu wollen. Wer sich zu dieser Ablehnung bekennt, gilt schnell als jemand, der den Menschen ihr Recht auf Selbstverteidigung absprechen will.

Dennoch – den Grund, gegen die Lieferung von Waffen zu sein, hat die Ukraine selbst geschaffen. Sie hat die Zivilbevölkerung in die Landesverteidigung eingebunden. Waffenkisten werden abgestellt, Menschen dürfen zugreifen und werden notdürftig in die Handhabung von Gewehren und Maschinenpistolen eingewiesen. All das wird über Medien verbreitet, soll heroisch und wie der einzige Weg während des laufenden russischen Angriffs wirken. Einen Gefallen tut man den Menschen damit nicht. Was nicht gezeigt wird, sind die naheliegenden Folgen für die schlecht ausgebildeten Ukrainer*innen.

Ist eine Waffe ein echter Schutz? Auf keinen Fall in den Händen untrainierter Menschen. Wer nicht gelernt hat zu schießen, gefährdet sich selbst und andere oft schon beim Transport der Waffe nach Hause. Wenn russische Soldat*innen oder Söldner*innen auf Zivilbevölkerung treffen, macht es einen großen Unterschied, ob diese bewaffnet ist. Zivilist*innen mit Waffen gelten als Kombattant*innen im Konflikt. Das macht sie in erster Linie zu einem legitimen Ziel für die russischen Soldat*innen.

Andere Bilder aus der Ukraine zeigen Menschen, die sich unbewaffnet den anrückenden Gefechts- und Transportfahrzeugen in den Weg stellen. Die Verzweiflung und der Mut, der dafür notwendig ist, ist kaum zu erahnen. Bewaffnete Ukrainer*innen nehmen den russischen Soldat*innen aber die Entscheidung ab, ob überhaupt geschossen werden darf. Es wäre nicht einmal ein Kriegsverbrechen, bewaffnete zivile Menschen zu erschießen. Das mag wie eine juristische Spitzfindigkeit wirken, doch ist es ein psychologisch wichtiger Aspekt, erst recht für junge russische Wehrpflichtige, die offenbar oft nicht wissen, an was sie beteiligt sind.

Die Waffenlieferungen setzten in den Absenderländern in erster Linie das Zeichen »Wir tun etwas« und bekämpfen so eher die Angst vor dem Krieg als die anrückenden russischen Truppen. Unpräzise, längst ausgemusterte NVA-Waffen ändern nichts an der militärischen Überlegenheit Russlands. Die Ukraine kann den Vormarsch verzögern, aber nicht stoppen. Je länger gekämpft wird, desto mehr wird das Land zerstört werden und desto mehr Zivilist*innen werden ihr Leben verlieren. Das Beispiel der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mahnt. Am Ende wurde ein Land verteidigt, aber fast nichts ist mehr davon übrig.

Sebastian Weiermann vertritt die Gegenposition und fordert:
»Waffen liefern für Kiew!«

Die Lieferung der Panzerabwehrwaffen an das ukrainische Militär ist eine historisch belegbare Gefahr. Selbst diese Waffen landen irgendwann in den Händen der Bevölkerung oder der Russen. US-Stinger-Raketen befriedeten einst vermeintlich Afghanistan und töteten im nachfolgenden Kriegskapitel die Lieferant*innen. Ein Irrsinn, der nicht endet.

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