Unsichere Prognosen in unsicheren Zeiten

Münchner Ifo-Institut senkt wegen Ukraine-Krieg Ausblick für dieses Jahr

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.
Die im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine gestiegenen Energiepreise drücken gerade die Inflation nach oben.
Die im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine gestiegenen Energiepreise drücken gerade die Inflation nach oben.

Eigentlich war das Münchner Ifo-Institut von einem kräftigen Aufschwung ausgegangen. Im Dezember prognostizierte es noch ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent. Doch der Krieg in der Ukraine machte einen Strich durch die Prognose. »Die russische Attacke dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit«, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser bei der Vorstellung der neuen Konjunkturprognose.

Die zunehmende Unsicherheit ist auch ein Grund, warum sich das Ifo-Institut nun nicht auf eine Zahl für dieses Jahr festlegen will. Stattdessen gehen die Konjunkturforscher*innen von einem optimistischen und einem pessimistischen Szenario aus. Im ersten Fall würde der im Zuge des Ukraine-Krieges gestiegene Ölpreis von derzeit 101 Euro pro Fass bis Jahresende schrittweise auf 82 Euro sinken, parallel dazu würde der Gaspreis von 150 Euro pro Megawattstunde auf 108 Euro sinken. Im pessimistischen Szenario steigt der Ölpreis Öl auf 140 Euro pro Fass bis Mai und sinkt dann erst zum Jahresende ab auf 122. Erdgas dürfte hierbei bis Mai ansteigen auf 200 Euro und dann nach und nach auf 163 Euro pro Megawattstunde sinken.

Im besten Fall würde das Wachstum in diesem Jahr damit 3,1 Prozent betragen, im pessimistischen Szenario 2,2 Prozent. Allerdings hat das Ifo-Institut in seiner Prognose nicht die Möglichkeit eines Importstopps russischer Energieträger berücksichtigt. Dies würde »kurzfristig einen weit größeren wirtschaftlichen Schaden verursachen«, schreibt das Ifo-Institut. Ein weiteres Risiko für die Konjunktur sind demnach die ansteigenden Corona-Infektionszahlen. Diese könnten dazu führen, dass sich die Verbraucher*innen wieder vorsichtiger verhalten und sich die Normalisierung des Konsums deswegen langsamer vollzieht als gedacht.

Gleichzeitig ist laut dem Ifo-Institut auch in diesem Jahr mit hohen Inflationsraten zu rechnen. Im optimistischen Szenario gehen die Forscher*innen von einer Preissteigerungsrate von 5,1 Prozent aus, die im Jahr 2023 auf 1,8 Prozent sinkt. Im pessimistischen Szenario könnte die Inflationsrate in diesem Jahr auf 6,1 Prozent steigen und auch im nächsten Jahr mit 2,2 Prozent über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen. Dabei gehen den Verbraucher*innen laut den Ifo-Ökonom*innen allein schon wegen der Preissteigerungen in den ersten drei Monaten 2022 sechs Milliarden Euro an Kaufkraft verloren.

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