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Kommt die Pille für den Mann?

Dr. Schmidt erklärt die Welt: Warum bislang keine medikamentöse Verhütung für Männer marktreif wurde

  • Von Christof Meueler / Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Kommt die Pille für den Mann?

Das war lange überfällig: die Pille für den Mann. Nun verkünden Chemiker der Universität von Minnesota, sie hätten eine Lösung. Ist das nicht ein altes Vorhaben?

Ja, die Idee ist schon etwas älter. Allerdings sind frühere Versuche alle mehr oder minder im Sande verlaufen. Ein Problem bestand darin, dass man bei älteren Versuchen ebenso wie bei der Pille für die Frau auf Hormone setzte, in dem Falle auf Testosteron. Und das ließ sich nicht oral verabreichen, sondern musste man(n) sich spritzen lassen. Und du weißt ja, wie das mit Männern und Spritzen ist. Dazu kam in einer zweiten Spritze Gestagen; Letzteres ist das Hormon, das auch in der Pille für die Frauen drinsteckt.

Wo wird denn da die Spritze angesetzt?

Intramuskulär. Beispielsweise in den Hintern. Und wie bei Hormonpräparaten für die Frauen traten auch hier bei Zulassungsstudien Nebenwirkungen auf.

Hormone haben inzwischen einen eher schlechten Ruf.

Mit gutem Grund. Deshalb auch die Frage, ob das mit der Pille bei den Frauen tatsächlich die beste Lösung ist.

Da wird von manchen Ärzten abgeraten.

Die Nebenwirkungen sind nicht unerheblich. Auch bei den Spritzen für Männer, die machten anscheinend einige Männer depressiv.

Und die neue Pille?

Die geht nicht über Hormone, sondern greift einen Stoff an, der für die Spermienbildung nötig ist - Retinsäure, eine mit Vitamin A verwandte Substanz. Da gab es schon mal 2011 einen Wirkstoff, der Retinsäure hemmte. Der wurde eigentlich für etwas ganz anderes ursprünglich entwickelt - ich glaube, es ging um Hautkrankheiten. Da trat bei den Tests eine verringerte Fruchtbarkeit auf - bei männlichen Tieren. Auch die neue Pille ist erst mal nur an Mäusen erprobt. Und ob diese Substanz tatsächlich bis in die Apotheke findet, hängt auch davon ab, ob ein Pharmaunternehmen die Pille für den Mann tatsächlich für profitabel genug hält, um die ganzen Zulassungsstudien zu finanzieren. Bisher war das anscheinend nicht so.

Sagt man nicht, dass die Umwelteinflüsse in den letzten 150 Jahren die Fruchtbarkeit allgemein verringert haben?

Das ist nicht ganz so klar. Eine finnische Studie über abnehmende Spermienqualität ist nicht unumstritten. Ich denke, dass die zurückgehende Fruchtbarkeit in den reichen Ländern eher damit zu tun hat, dass der erste Zeugungsversuch oftmals später unternommen wird - wegen der Planbarkeit. Aber global gesehen ist immer noch jede zweite Schwangerschaft ungewollt.

Und die Hälfte aller Eltern trennt sich im ersten Jahr nach der Geburt.

Aber es gibt immer noch Kulturen, wo die Männlichkeit sich an der Zahl der Kinder bemisst. Und wo schon die Mär Erfolg hat, dass Impfungen von Europäern und Amerikanern nur in die Welt gesetzt wurden, um arme Menschen an der Fortpflanzung zu hindern, kommt Verhütung wohl auch schlecht an.

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